Die Rede des Landrates beim Neujahrsempfang 2013

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Ich begrüße Sie alle ganz herzlich zu unserem Neujahrsempfang, der Sie auch in diesem Jahr dazu einlädt, es während und nach dem Empfang etwas „menscheln“ zu lassen.

Ich freue mich, dass so viele Vertreterinnen und Vertreter der das Ammerland repräsentierenden Gruppen und Einrichtungen unserer Einladung zum Neujahrsempfang 2013 gefolgt sind. Angesichts des vorgesehenen Programms ist es hoffentlich in Ihrem Sinn, dass ich nur einige aus Ihren Reihen zur Begrüßung persönlich anspreche. Ich begrüße die Mitglieder des Deutschen Bundestages, des Niedersächsischen Landtages, den Ehrenkreistagsabgeordneten, die Bürgermeisterin, die Bürgermeister und die Ehrenbürgermeister der sechs Ammerländer Gemeinden. Ein besonderes Willkommen gilt unseren Freunden aus unserem polnischen Partnerlandkreis Pleszew: Herrn Landrat Karalus und Herrn Vorsitzenden des Rates Miroslaw Kuberka. Herr Landrat Karalus wird im Anschluss an meine Ansprache die Gelegenheit wahrnehmen, ein persönliches Grußwort an Sie alle zu richten.

Ich freue mich, dass auch die Vertreterinnen und Vertreter der Medien so zahlreich erschienen sind: Ganz herzlich möchte ich mich für die partnerschaftliche Berichterstattung über das Geschehen im Landkreis Ammerland im Jahre 2012 bedanken und wünsche mir, dass sich diese auch im kommenden Jahr so fortsetzen wird.

Anrede,

wie Sie alle als langjährige Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Neujahrsempfanges wissen, laden wir gern zusätzliche Gäste ein – passend zum Vortrag unseres Gastredners. Ich freue mich deshalb besonders, heute bei uns im Kreishaus viele Gäste begrüßen zu dürfen, die bei uns im Landkreis für ein großes, ein attraktives und ein vielseitiges kulturelles Angebot stehen: Ihnen allen ein herzliches Willkommen.

Anrede,

„Wozu das ganze Theater?“ Wer sich das schon immer gefragt hat, der soll heute eine Antwort bekommen. Denn wir haben zu diesem Thema als Gastredner eine ausgewiesene Kapazität eingeladen: Markus Müller, den äußerst erfolgreichen Generalintendanten des Oldenburgischen Staatstheaters. Herr Müller, für uns alle ist es eine Premiere: Ich freue mich, Sie heute zur Abwechslung mal in unserem Großen Haus begrüßen zu dürfen.

Anrede,

„Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert mit heißem Bemühn,
da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, dass wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.“

Kennen Sie den? Oder kennen Sie das? Nein, das ist nicht der Landrat. Der hat erstens nur Juristerei studiert und zweitens fühlt sich – hoffentlich -  niemand von ihm an der Nase herumgeführt. Nein, das ist Faust, und das ist großes Theater! Der Teufel, das Gute, das Alter, die Jugend, die Liebe, die Verführung, die Religion, die Wissenschaft … In Goethes Faust, der heute fast auf den Tag genau vor 184 Jahren im alten Opernhaus am Hagenmarkt in Braunschweig uraufgeführt wurde, werden nur wenige große Themen des Lebens ausgelassen. Und Goethes Auseinandersetzung mit der wirtschaftlichen Entwicklung, ihren Auswirkungen auf soziale, gesellschaftliche und technische Veränderungen, ist auch heute von prägnanter Aktualität. Deshalb möchte ich meine Ausführungen ein wenig „anpassen“ und den schon eingangs zitierten alten Goethe ab und zu aus diesem fast jedem bekannten Stück sprechen lassen.

Anrede,

"Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen, Und jedermann erwartet sich ein Fest. Sie sitzen schon, mit hohen Augenbraunen // Gelassen da und möchten gern erstaunen“, heißt es im Faust. Damit kann ich dienen: Die positive wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2012 hat dafür gesorgt, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Ammerland einen neuen Höchststand erreicht hat; 42096 (am Wohnort Stand Juno 2012; am Arbeitsort 36648) Personen sind im Ammerland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entspricht einer Steigerung von 3,3 Prozent. Damit nimmt der Landkreis Ammerland den zwölften Platz (von 46) in Niedersachsen ein. Die Arbeitslosenquote lag im Jahrsdurchschnitt bei 4,6 Prozent und damit auf dem siebten Platz in Niedersachsen. Für dieses beeindruckende Ergebnis, das uns wohl alle gern erstaunen lässt, möchte ich mich ausdrücklich bei den Unternehmen und Betrieben im Ammerland bedanken, die wiederum sehr erfolgreich waren und auch im letzten Jahr zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen haben. Und ich freue mich, dass unser Jobcenter und die Arbeitsagentur wieder einmal sehr erfolgreich arbeitlose Menschen aus dem Ammerland in Beschäftigung vermitteln konnten.

"Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“, so der Direktor in Faust, und er könnte damit das Bildungs- und Teilhabepaket meinen, das tatsächlich viele Leistungen für viele Kinder und Jugendliche ermöglicht: Ausflüge und Ferienfreizeiten, Sport- und Musikangebote, Nachhilfe oder gemeinsame Mittagessen. Fast 12.000 Anträge auf Bildung und Teilhabe sind im vergangenen Jahr bei uns eingegangen und ca. 1,5 Millionen Euro wurden im Landkreis ausgegeben. Dabei hat unsere Kreisvolkshochschule die Mittel für die Lernförderung so vorbildlich umgesetzt, dass dieses Modell bei der „stiftung neue verantwortung“ in Berlin als Best-Practice-Beispiel vorgestellt und in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung als kreatives und innovatives Beispiel explizit genannt wurde.

Ein weiteres Ammerländer Erfolgsmodell ist unsere Ausbildungsplatzinitiative, bei der wir mit Goethes Faust sagen können: "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“. Im vergangenen Jahr haben wir alle 375 Teilnehmer erlösen, also vermitteln können: Jeder Teilnehmer hat entweder eine Ausbildungsstelle erhalten, eine Praktikantenstelle angetreten oder sich für den weiteren Schulbesuch oder das Freiwillige Soziale Jahr entschieden. Diese positiven Resultate haben wir vor allem unseren heimischen Firmen und Unternehmen zu verdanken, die sich überaus engagiert beteiligt und zahlreiche Ausbildungsplätze bereitgestellt haben. Bedanken möchte ich mich darüber hinaus auch bei den Vertretern aus Politik und Verwaltung: Sie haben mit ihren Patenschaften diese phantastische Vermittlungsquote der Ausbildungsplatzinitiative erst möglich gemacht.

Anrede,

der erste global denkende Unternehmer, so ist immer wieder zu lesen, war Faust. Er hat verstanden, dass die Wirtschaft dem göttlichen Schöpfungsprozess nahekommt. Aus wenig immer mehr zu machen, das ist das Magische an der Ökonomie. Die Geldschöpfungsszene im ersten Akt von Faust II erinnert mich an zahlreiche Gespräche bei der Wirtschaftsförderung. Mephisto spricht mit dem von akuten Geldnöten geplagten Kaiser und konstatiert: „Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.“ Der Kaiser erwidert schließlich auf Mephistos geschickten Überredungsversuch: „Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff’ es denn.“

Unsere Wirtschaftsförderung hat aber nicht wie Mephisto selbst Geld gedruckt und unters Volk gebracht, sondern musste dafür Anträge beim Wirtschaftsministerium stellen. Mit Erfolg: 2,5 Millionen Euro EFRE-Mittel kommen in der laufenden EU-Förderperiode unseren Ammerschen Klein- und Mittelbetrieben zu Gute. Fördermittel in gleicher Höhe werden von den Gemeinden und dem Landkreis aufgebracht, sodass insgesamt fünf Millionen Euro bereitstehen. Mit den kreiseigenen KMU-Förderungen wurden damit seit Beginn der Förderperiode rund 200 Einzelvorhaben unterstützt; bis Ende 2012 sind 430 neue Dauerarbeitsplätze sowie über 100 neue Ausbildungsplätze entstanden. Die Zahl der mit der Förderung gesicherten Arbeitsplätze in den Betrieben liegt um ein Vielfaches höher. Durch die Förderung wurden Investitionen von mindestens 42 Millionen Euro im Landkreis Ammerland unterstützt, durch die Vergabe an regionale Auftragnehmer treten darüber hinaus weitere Dynamisierungseffekte ein. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll die Effektivität und das ausgezeichnete Verhältnis zwischen den eingesetzten Fördermitteln und den geschaffenen Arbeitsplätzen und es belegt auch, dieser Nachsatz möge mir erlaubt sein, die ausgezeichnete Arbeit der Kreiswirtschaftsförderung.

„Auf strenges Ordnen, raschen Fleiß // Erfolgt der allerschönste Preis", da ist sich Faust ganz sicher. Das gilt für unsere Unternehmen, und das gilt auch für unseren Abfallwirtschaftsbetrieb. So konnte dieser durch gutes Wirtschaften auch in diesem Jahr wieder den allerschönsten Preis bieten: Die Restmüllabfuhr bei Privathaushalten wird um ca. acht Prozent günstiger werden, die Entlastung bei den gewerblichen Abfallerzeugern beträgt rund sieben Prozent. Damit bewahrt der Landkreis Ammerland seine Spitzenposition als einer der günstigsten öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger in Niedersachsen.

"Greift nur hinein ins volle Menschenleben! // Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt, // Und wo Ihr's packt, da ist's interessant“. Zu einem vollen Menschenleben gehören neben florierender Wirtschaft und einem attraktiven Umfeld natürlich auch Kinder - Kinder, die versorgt sein wollen. So haben wir in den vergangenen Jahren unsere Gemeinden bei ihren erheblichen Anstrengungen unterstützt, ausreichende Betreuungsangebote sicherzustellen. Mit Beginn des kommenden Schuljahres werden über 1.100 Tagespflege- und Krippenplätze zur Verfügung stehen, sodass kreisweit fast 40 Prozent der unter Dreijährigen versorgt sein werden. Mit diesem Ergebnis stehen wir im Vergleich zu anderen Kommunen ausgesprochen gut da.

„Dich zu verjüngen, gibt’s auch ein natürlich Mittel; Allein es steht in einem andern Buch, Und ist ein wunderlich Kapitel“, so Mephisto zu Faust, der sich mit des Teufels Hilfe „wohl dreißig Jahre vom Leibe“ schaffen will. Solange wir die Rezeptur dieses Elixiers, das Krankheiten vertreibt, die Manneskraft erhält und ewige Jugend und langes Leben schenkt, nicht kennen, so lange müssen wir das Altern und die damit verbundenen Malaisen halt hinnehmen. Aber im Landkreis Ammerland gibt es eine breite Palette von Hilfsangeboten, die uns das Altern zwar nicht vergolden, aber doch erleichtern können. Dazu gehört zum Beispiel das Seniorenservicebüro, das - gefördert vom Land Niedersachsen - bei uns im Ammerland Anfang letzten Jahres an den Start ging. Das Angebot wird ausgesprochen gut angenommen. 563 Seniorinnen und Senioren haben sich im Jahr 2012 im Seniorenservicebüro beraten lassen, welche Möglichkeiten angeboten werden, die dabei helfen, so lange wie möglich in der vertrauten Umgebung bleiben zu können. Eine wichtige Rolle spielen auch die 33 ehrenamtlichen SeniorenbegleiterInnen, die der Landkreis ausgebildet hat: Gemeinsam mit unseren ehrenamtlichen Wohnberaterinnen und Wohnberatern sind sie älteren Menschen eine Stütze, um die Selbstständigkeit im Alter zu erhalten und zu fördern. Und auch das Beratungsangebot des Pflege-Servicebüros, das der Landkreis Ammerland gemeinsam mit dem Sozialverband Deutschland im Oktober 2011 eröffnet hat, ist so sehr gefragt, dass die wöchentliche Arbeitszeit der Mitarbeiterin im Pflege-Servicebüro mittels Finanzierung durch den Landkreis von 20 auf 25 Stunden aufgestockt werden konnte.

Vom aurum potabile, dem Verjüngungstrank, zur sedes auxiliaria, der Großleitstelle in Oldenburg, die seit dem Sommer im Vollbetrieb läuft. „Wie alles sich zum Ganzen webt// Eins in dem andern wirkt und lebt!" Dieses Faustzitat könnte für die größte Leitstelle in Niedersachsen als Motto gelten, denn hier haben sich vier Landkreise und zwei kreisfreie Städte zusammengeschlossen. Auf einer Fläche von ca. 4.200 Quadratkilometern werden die Notrufe von über 730.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bearbeitet. Betreut werden 156 Feuerwachen, 116 Polizeidienststellen und 29 Rettungswachen mit zusammen mehr als 1000 Einsätzen pro Tag. Bislang haben Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste gemeinsam über 300.000 Hilfeleistungen und Einsätze über die Großleitstelle abgewickelt. Die Fehlerquote war dabei so gering, dass wir bislang sehr zufrieden mit der Großleitstelle sein konnten.

„Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen; Ihr durchstudiert die groß’ und kleine Welt, Um es am Ende gehn zu lassen, Wie’s Gott gefällt“, kommentiert Mephisto gegenüber einem Rat suchenden Schüler zynisch die wissenschaftliche und praktische Ausbildung von Ärzten. Dieser - gelinde gesagt – „negative Ansatz“ ist ganz und gar nicht unserer. Mit dem Ziel, den Geist der Medizin sogar zweisprachig zu fassen, haben Anfang Oktober 40 Studenten in Oldenburg und Groningen ihr Medizinstudium an der European Medical School (EMS) aufgenommen. Zusammen mit anderen Landkreisen in Weser-Ems hat sich auch der Landkreis Ammerland an der Finanzierung einer sogenannten Stiftungsprofessur beteiligt, in fester Erwartung, dass auch die Kliniken des Ammerlandes und die Versorgung mit Ärzten im Ammerland davon profitieren werden.

Und in punkto medizinischer Versorgung im Ammerland freut es uns natürlich besonders, dass die im Klinkzentrum kooperierenden Häuser der Ammerlandklinik und des Bundeswehrkrankenhauses von ihren Patienten eine bundesweite Spitzenbewertung bekommen haben.

„Heinrich, mir graut’s vor dir!“ Dieser Ausruf von Gretchen am Ende von Goethes „Faust I“ geht einem durch Mark und Bein. Wäre Gretchen Ammerländerin, müsste sie wohl rufen: „Oldenburg, mir graut’s vor dir!“ Denn leider vergeht ja kaum ein Monat, in dem wir Ammerländer der Zeitung nicht neue Schreckensmeldungen entnehmen müssen. Vor Jahresfrist war es die neue Unterkunft für Asylbewerber auf dem Gelände des Fliegerhorstes, deren Bewohner sich ihren Weg durch das Ammerland bahnen müssen, um das Stadtzentrum und die Behörden von Oldenburg zu erreichen. Dann folgte die äußerst windige Idee, die Energiewende in Oldenburg möglichst weit weg von den Oldenburgern fast auf Ammerland Gebiet umzusetzen. Höhepunkt der bisherigen Grenzüberschreitungen ist eine geplante Bahnumgehungstrasse, die nicht nur das Stadtgebiet Oldenburg, sondern auch den Landkreis Ammerland bzw. die Gemeinde Rastede im Ortsteil Neusüdende berührt. Wir Ammerländer schauen ja gern über unseren Tellerrand hinaus, zum Beispiel wenn es um die Etablierung von spannenden Modellprojekten wie die EMS oder die Großleitstelle geht. Aber wenn es nicht mehr um kommunale Zusammenarbeit geht, sondern nur um die Abwälzung von Lasten in unseren Landkreis, dann halten wir es eindeutig mit Mephisto: "Es lebe, wer sich tapfer hält!" und werden gegen solch unlauteres Gebaren alle erdenklichen Mittel ergreifen.

"Welch Unheil muß auch ich erfahren! Wir wollen alle Tage sparen; Und brauchen alle Tage mehr." Wer hat diesen Seufzer wohl formuliert? Die Bundeskanzlerin, der Bundesminister der Finanzen, einer der 16 Länderfinanzminister oder unser Kämmerer? Es könnte jeder von ihnen gewesen sein. Doch wir wissen es besser: Die Klage stammt aus Faust, gesprochen hat sie der Marschall jenes Kaisers, dessen Reich dem Staatsbankrott entgegentaumelt. Mephisto schafft durch seine Zauberkünste frisches Inflationsgeld und somit illusionäre Entlastung. Wir dagegen stellen uns der Wirklichkeit und erwarten nach den Zahlen für den Finanzausgleich, dass wir uns in 2013 wohl weiter entschulden können. Dabei stellen uns jährliche Mehranforderungen insbesondere im Sozial- und Jugendbudget immer wieder vor neue Herausforderungen. Mittlerweile umfassen diese Aufgabenbereiche ein Ausgabevolumen von rd. 96 Millionen Euro bei Gesamtaufwendungen im Kreishaushalt von rd. 140 Millionen Euro. Mit einer soliden und restriktiven Finanzpolitik ist es dem Landkreis in den letzten Jahren aber immer wieder gelungen, diese Mehranforderungen aufzufangen und regelmäßig ordentliche Haushalte vorzulegen. Wie der Schüler in Faust, so wissen auch wir: "Denn was man schwarz auf weiß besitzt, // Kann man getrost nach Hause tragen."

Und diese Maxime gilt auch für die "Kultur, die alle Welt beleckt“, wie Mephisto es formuliert hat. Kultur ist eine unverzichtbare Grundlage unserer Gesellschaft: Sie gibt Orientierung und bietet Freiräume. Sie entsteht in der Gesellschaft – vor allem durch ein großes bürgerschaftliches Engagement - und bereichert diese. Kulturförderung ist daher für uns keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit und in die Attraktivität des Ammerlandes. Denn das wusste schon der Dichterfürst: „Die Kunst ist lang! // Und kurz ist unser Leben". Deshalb hat der Landkreis Ammerland für die Kulturförderung im vergangenen Jahr „schwarz auf weiß“ fast eine halbe Million Euro ausgegeben: für Heimatmuseen, für Heimatvereine und Ortsbürgervereine, für Kunst- und Kulturvereine, für Theater, für Gesangvereine, für die Rasteder Musiktage, für das Oldenburger Landesturnier, für den Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“, für die Förderung der plattdeutschen Sprache an Grundschulen, als Beitrag für die Oldenburgische Landschaft, als Unterstützung für unsere Musikschulen Ammerland und Bad Zwischenahn und für die Restaurierung des Eisenhüttenturmes in Augustfehn. Zurzeit läuft auch noch die Restaurierung der Christian-Vater-Orgel der Ev.-luth. Kirche in Wiefelstede, die der Landkreis mit fast 60.000 Euro unterstützt, und an der Innenrestaurierung der Ev.-luth. Kirche in Wiefelstede werden wir uns mit fast 30.000 Euro beteiligen. Und höre ich da nicht die Stimme unseres Kämmerers? „Rechnung für Rechnung ist berichtigt, // Die Wucherklauen sind beschwichtigt, // Los bin ich solcher Höllenpein; // Im Himmel kann's nicht heitrer sein."

Anrede,

ich hoffe, dass Sie nach diesen Ausführungen keine „Gretchenfragen“ mehr haben und nun wie Faust innerlich ausrufen “Das also ist des Pudels Kern.“

Namens des Ammerländer Kreistages und der Kreisverwaltung möchte ich Ihnen, Ihren Familien, Ihren Unternehmen, Verbänden, Vereinen und Einrichtungen ein gesundes, gesegnetes und erfolgreiches Jahr 2013 wünschen. Ich hoffe für uns auf einen schönen Abend mit vielen interessanten Gesprächen und Begegnungen, an dem Sie zum „Augenblicke“ sagen können, was Mephisto aus Fausts Mund hören wollte, um die entscheidende Wette zu gewinnen: „Verweile doch! Du bist so schön!“

Anrede,

Unser heutiger Gastredner, Markus Müller, hat bestimmt kein Lampenfieber. Er leitet eines der am besten ausgelasteten Theater in Deutschland und steht als Generalintendant „für Innovation, für unkomplizierte Lösungen und für ein wundervoll erfrischendes Repertoire“, wenn ich die lobenden Worte von Staatssekretär und Landschaftspräsident Thomas Kossendey bei der Verleihung des Ehrenringes der Oldenburgischen Landschaft zitieren darf. Herr Müller studierte Betriebswirtschaft, Germanistik und Philosophie in Bamberg, Erlangen und Mannheim. Mit gerade 24 Jahren wurde er persönlicher Referent des Generalintendanten am Mannheimer Nationaltheater und vier Jahre später stellvertretender Generalintendant. Mit Beginn der Spielzeit 2006/07 wurde der damals 32-Jährige jüngster Intendant Deutschlands am kleinsten Staatstheater der Republik in Oldenburg, welches unter seiner Intendanz große nationale und internationale Anerkennung gefunden hat. In seiner Amtszeit wurde das Staatstheater komplett saniert, die Ausweichspielstätte auf dem Fliegerhorst zu einer wahren Kultstätte, und die sonst an vielen anderen Theatern rückläufige Zuschauerzahl konnte in Oldenburg zuletzt auf 215.000 Besucher pro Spielzeit gesteigert werden.

Gern lasse ich Faust noch einmal zu Wort kommen, der kein Blatt vor den Mund nimmt: „Der Worte sind genug gewechselt, // Laßt mich auch endlich Taten sehn“. Wir freuen uns jedenfalls sehr, Sie, sehr geehrter Herr Müller, heute hier zu Gast zu haben und sind gespannt auf Ihren Vortrag „Wozu das ganze Theater?“


 
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