Sprungziele
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
Seiteninhalt
07.07.2020

Neues Frauen- und Kinderschutzhaus eröffnet

Diakonie betreibt die gemeinsame Einrichtung der Landkreise Ammerland und Wesermarsch

Am 3. Juli 2020 wurde das Frauen- und Kinderschutzhaus der Landkreise Ammerland und Wesermarsch eröffnet und hat seitdem mit der Aufnahme von gewaltbetroffenen Frauen und ihrer Kinder begonnen. Betrieben wird die Einrichtung von der Diakonie Oldenburg Land. Zwölf Frauen und bis zu 21 Kinder können ab sofort Schutz in der Einrichtung finden. Ein Team aus 17 Mitarbeiterinnen wird die Frauen und Kinder 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche betreuen.

Das Frauen- und Kinderschutzhaus ist behindertengeeignet und bietet ein hohes Maß an Privatheit für die Bewohnerinnen sowie deren Kinder. Ideal für eine gute Auslastung des Hauses ist ebenfalls, dass einzelne Wohnbereiche räumlich veränderbar sind, sodass auf verschiedenste Konstellationen der Belegung reagiert werden kann. Der Standort des Frauen- und Kinderschutzhauses in zentraler Lage des Versorgungsgebietes ist von den Landkreisen ganz bewusst so gewählt worden, damit eine gute Erreichbarkeit mit dem Öffentlichen Personennahverkehr gewährleistet werden kann. Wichtig war den Landkreisen darüber hinaus, dass sich Einrichtungen und Anlaufstellen wie Schulen und Kindertagesstätte sowie ärztliche Versorgung, Beratungsstellen und Einkaufsmöglichkeiten in fußläufiger Nähe befinden.

„Häusliche und sexualisierte Gewalt ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Frauenhäuser haben für den Schutz der Betroffenen eine große Bedeutung, denn sie sind die sichere Anlaufstelle für Frauen, denen in ihrem Zuhause oftmals sogar Lebensgefahr droht“, betont Diakonie-Vorstand Thomas Feld die Wichtigkeit dieses Tätigkeitsfeldes. Deshalb hat die Diakonie im Oldenburger Land den Betrieb für das Frauen- und Kinderschutzhaus sehr gerne übernommen und stellt 80.000 Euro als Risikoabdeckung für das erste Jahr bereit. „Die Diakonie versteht sich als Anwalt für Menschen, die sonst keine Lobby haben“, betont Feld das Engagement in diesem Bereich."

„Ich freue mich, dass sich nun mit dem Frauen- und Kinderschutzhaus der Landkreise Ammerland und Wesermarsch eine Lücke in der Region im Hilfeangebot bei Fällen von häuslicher Gewalt schließt. Das Land Niedersachsen fördert dieses Frauen- und Kinderschutzhaus gezielt, um in der Region Schutzplätze für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder zur Verfügung zu stellen“, sagt die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann in ihrem Grußwort zur Eröffnung des Frauenhauses.

Für das Ammerland berichtet die Gleichstellungsbeauftragte Anja Kleinschmidt, dass 2018 110 Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei gemeldet wurden. 21 Frauen aus dem Bereich der Polizeidirektion Oldenburg Stadt/Ammerland wurden an ein Frauenhaus vermittelt. Diese Fallzahlen stellen jedoch nur einen Teil der Gesamtfälle dar (Hellfeld). Die Polizei geht von einer weit höheren Zahl von Delikten aus (Dunkelfeld). Zudem suchen Frauen eigenständig Zuflucht in Frauenhäusern.
Für den Landkreis Wesermarsch berichtet Gleichstellungsbeauftrage Ursula Bernhold, dass 2019 allein über die Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) LaWeGa 10 Frauen, davon acht mit 14 kleinen Kindern (1 bis 7 Jahre), in Frauenhäuser der Region und anderer Bundesländer vermittelt wurden. Insgesamt hat die BISS im vergangenen Jahr 327 Fälle, davon 166 über die Polizei, aufgenommen.

Frauenhäuser bieten nicht nur Schutz, sondern die Betreuerinnen beraten die Frauen und helfen ihnen neue Perspektiven zu entwickeln. „Gewalterfahrungen führen bei den Opfern oft zu einer gestörten Selbstwahrnehmung und einem Mangel an Selbstvertrauen. In Gesprächen wird versucht den Frauen und Kindern wieder zu einer gesunden Selbstwahrnehmung zu verhelfen sagt Katharina Kroll, Geschäftsführerin des Kreisdiakonischen Werkes Ammerland.

Auch die Situation der Kinder wird im Schutzhaus besonders in den Blick genommen und hat in der pädagogischen Arbeit eine hohe Bedeutung. Für die Kinder und Jugendlichen in der Einrichtung gibt es ein eigenes partizipatives und zugleich geschlechtsspezifisches Konzept. So lassen sich das Wohl der Frauen und das Kindeswohl gleichermaßen sicherstellen. Frauen und Kinder erfahren so, dass die Mitarbeiterinnen ihre Situation und ihre Bedürfnisse vollumfänglich verstehen.


Hilfesuchende erreichen das Frauenhaus rund um die Uhr unter:
Telefon: 0441/21001-495
Mail: dwo.frauenhaus@diakonie-ol.de
Internetseite: www.frauenhaus-diakonie.de


Foto:
Besichtigung des Frauen- und Kinderschutzhauses vor der Inbetriebnahme
(von links): Diakonie-Vorstand Thomas Feld, Landrat Jörg Bensberg (Ammerland) und Erster Kreisrat Hans Kemmeries (Wesermarsch).

Foto: Kerstin Kempermann/Diakonie Oldenburg Land