Verwaltungsbericht der Landrätin zur Kreistagssitzung am 18. Juni 2025
Auch diesmal beginne ich – in guter Tradition – meinen Bericht an Sie mit einer guten Nachricht: Die Arbeitslosenquote im Landkreis Ammerland ist im Mai auf 3,8 Prozent gesunken – und liegt damit unter den Vergleichswerten des Vormonats (3,9 %) und des Vorjahres (4,1 %) sowie klar unter dem Landesdurchschnitt in Niedersachsen (6,0 %) und dem Bundeswert (6,2 %). Insgesamt waren 2 705 Menschen arbeitslos gemeldet – 63 Personen weniger als im April. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt stabil: Aktuell sind im Landkreis 1 230 offene Stellen registriert. Zum Stichtag Oktober 2024 verfügten 5 852 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Landkreis Ammerland über eine ausländische Staatsangehörigkeit – das sind 558 Personen mehr als im Vorjahr (5 294), ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten liegt damit bei zwölf Prozent (Vorjahr: 11 %). Immer mehr Unternehmen im Ammerland – von Industrie bis Gastronomie – setzen auf internationale Fachkräfte. Sie bringen dringend benötigte Qualifikationen mit, stärken die Vielfalt und sichern den Betrieb vieler Unternehmen. Ihre Integration ist nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern wirtschaftlich notwendig. Um diesem Thema mehr Raum zu geben, planen wir in Kürze mehrere Informationsveranstaltungen (Pressegespräch, Ausstellung mit Rahmenprogramm) – nähere Informationen folgen zeitnah.
Wir bleiben beim Thema Integration: Die Aufnahmequote des Landes Niedersachsen wurde zum 1. April aufgrund des rückläufigen Zuzugs nicht neu festgesetzt. Stattdessen gilt das bestehende Verteilkontingent bis zum 30. September weiter. Für den Landkreis Ammerland ergibt sich daraus die Verpflichtung, bis zu diesem Stichtag insgesamt 447 Schutzsuchende aufzunehmen. Bis zum 30. April dieses Jahres wurden dem Landkreis bereits 269 Personen zugewiesen. Somit sind noch 178 Personen im Rahmen des aktuellen Verteilkontingents aufzunehmen. Nach den aktuell vorliegenden Auswertungen des Ausländerzentralregisters leben im Landkreis Ammerland insgesamt 11 878 ausländische Staatsangehörige (Stand: 30.04.2025). Darunter befinden sich 3 874 EU-Bürgerinnen und -Bürger, 1 427 Personen verfügen über eine Niederlassungserlaubnis und damit über ein unbefristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland. Einen befristeten Aufenthaltstitel besitzen 4 312 Personen. Im laufenden Asylverfahren befinden sich 941 Personen; 211 Personen halten sich nach Abschluss ihres Asylverfahrens mit einer Duldung im Landkreis auf.
Es folgen einige Mitteilungen aus dem Bereich der Immobilienbetreuung: Im ersten Halbjahr 2025 wurden im Kreishaus Westerstede verschiedene Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt: In der Eingangshalle sorgen nun – statt der bisherigen Stehleuchten – LED-Deckenleuchten für eine bessere Ausleuchtung und höhere Energieeffizienz. Energetisch modernisiert wurden zudem die Wartebereiche der Zulassungsstelle und der Ausländerbehörde: Dort ersetzen LED-Downlights die bisherigen noch mit Glühbirnen ausgestatteten Leuchten. Die veraltete Dieseltankanlage im Keller wurde durch ein doppelwandiges System mit Leckageüberwachung ausgetauscht. Auch die beiden rückwärtigen Innenhöfe erfuhren eine Aufwertung – Wildblumenmischungen fördern dort künftig die Artenvielfalt.
Auch auf der Deponie Mansie wurde investiert: In den Sozialräumen der Maschinenhalle sowie im Betriebsgebäude wich die veraltete Leuchtstoffröhrenbeleuchtung modernen LED-Leuchten mit Präsenzsteuerung – ein Beitrag zur Energieeinsparung und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Im Juli 2025 beginnen die Baumaßnahmen für das neue Gesundheitsquartier. Nach Einrichtung der Baustelle folgen Aushub und Tiefenbohrungen für die geplante Erdwärmepumpe. Die vorbereitenden Rückbaumaßnahmen sind weit fortgeschritten: Das ehemalige Gesundheitsamt ist bereits abgerissen, der Rückbau des früheren Verwaltungsgebäudes der Ammerland-Klinik läuft derzeit. Ein gestalterisches Element bleibt erhalten: Das Relief über dem alten Haupteingang des Gesundheitsamtes soll im Neubau wiederverwendet werden. Die Finanzierung des Gesamtvorhabens ist angelaufen, ein erster Abschlag auf die Landesfördermittel ist bereits eingegangen. Der symbolische erste Spatenstich ist für den 8. August mit Beteiligung von Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) vorgesehen.
Der Neubau des Parkdecks III mit rund 330 Stellplätzen zwischen Klinik und Hospiz befindet sich in der Endphase. Die Stahlkonstruktion steht, aktuell werden Technik und Lamellenfassade eingebaut. Die Inbetriebnahme ist für Mitte Juli geplant. Im Zuge des Klinikneubaus wird auch die Kreisstraße 347 „Lange Straße“ in Westerstede bis zum Ammerländer Hof erneuert – vorgesehen für die ersten drei Wochen der Sommerferien. Bereits befahrbar ist der auf einer Strecke von rund zwei Kilometern sanierte Radweg an der K 128 zwischen Bad Zwischenahn und Ohrwege.
Und noch eine weitere Meldung vom Gelände des Klinikum-Zentrums: Am Tag der offenen Tür wurden von Gesundheitsamt und Bundeswehrkrankenhaus Westerstede insgesamt 2.020 Euro eingenommen und für das Ammerland-Hospiz gespendet. 950 Euro kamen in der Cafeteria des Gesundheitsamtes zusammen und 1.070 Euro beim Erbsensuppenverkauf der Bundeswehr. Mein herzlicher Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern sowie den Helfenden, die diesen Erfolg möglich gemacht haben!
Ein voller Erfolg war der Klima-Vortrag von Prof. Dr. Mojib Latif im Park der Gärten. Bereits zwei Wochen nach Beginn der Anmeldephase war die Veranstaltung restlos ausgebucht – ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie sehr das Thema die Menschen im Ammerland bewegt. Der renommierte Klimaforscher zeigte eindrucksvoll, welche dramatischen Auswirkungen der Klimawandel hat – und welche Anpassungen nötig sind. Schade, dass kaum Kreistagsabgeordnete anwesend waren: Sie haben was verpasst! Zur Stärkung der Klimafolgenanpassung im ländlichen Raum stellt der Landkreis ab sofort 120.000 Euro für die Förderung von Regenwasserzisternen, Dachbegrünungen und Entsiegelungen auf privaten Grundstücken bereit.
Im Bereich Mobilität wird ebenfalls klimafreundlich investiert: Der BürgerBus Rastede e.V. hat ein neues Fahrzeug erhalten. Der moderne Mercedes-Benz Sprinter wurde mit Fördermitteln des Landkreises Ammerland, der Gemeinde Rastede, der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) und des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) finanziert. Seit 2014 ist der Verein im Einsatz, rund 30 Ehrenamtliche übernehmen den Fahrdienst. Die Linie mit rund 40 Haltestellen zwischen Wahnbek und Nethen zählt jährlich etwa 12 000 Fahrgäste. Der Bürgerbus ist ein fester und wichtiger Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs im Ammerland.
Auch im Bereich Tourismusentwicklung gibt es Neues: Am 3. April 2025 hat die Ammerland Touristik den Startschuss für die neue Strategie Ammerland 2030+ gegeben. Ziel ist eine zukunftsfähige Ausrichtung des Tourismus, stärker verknüpft mit Wirtschaft, Lebensqualität und Regionalentwicklung. Eine Lenkungsgruppe wird die Inhalte in moderierten Workshops begleiten. Die Vorstellung des Konzepts im Kreistag ist für Anfang 2026 geplant.
Wie immer möchte ich Sie zum Abschluss des Verwaltungsberichts über Beschlüsse aus dem Kreisausschuss informieren: Der Sozialausschuss hat zentrale Unterstützungsangebote für das Jahr 2025 verlängert: Die Schuldnerberatung wird ab sofort vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Oldenburg und einem Beratungsbüro in Westerstede übernommen. Dafür sind Haushaltsmittel in Höhe von 90.000 Euro vorgesehen. Auch der Verein pro:connect, der sich für die berufliche Integration von Geflüchteten einsetzt, erhält eine Förderung in Höhe von 8.125 Euro. Darüber hinaus wurde beschlossen, das Projekt „WIR pflegen das Ammerland“ mit 3.300 Euro zu fördern. Ziel ist es, mit professionellen Social-Media-Clips das Berufsbild Pflege aufzuwerten und neue Fachkräfte zu gewinnen. 20 Pflegeanbieter aus dem Ammerland haben dafür rund 20.000 Euro investiert. Mit diesen Beschlüssen bekennt sich der Landkreis klar zu sozialer Verantwortung, nachhaltiger Integration und einer starken Pflegeinfrastruktur.
Zum neuen Schuljahr nimmt die Förderschule ESE (Schwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung) in Rastede ihren Betrieb auf. Für die Schulleitung hat sich Johannes Krumnow, derzeit Leiter der Förderschule am Voßbarg, beworben. Da er der einzige Bewerber ist, besteht die berechtigte Hoffnung auf eine zeitnahe Ernennung.
Über sicherheitspolitische Themen konnten wir uns kürzlich im Kreishaus mit Polizeidirektor Thomas Weber austauschen, der nun offiziell die Leitung der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland übernommen hat. Zuvor hatte er diese Funktion bereits rund ein Jahr lang kommissarisch ausgeübt. Im Gespräch ging es um die aktuelle Sicherheitslage, Kriminalitätsentwicklungen und die Bedeutung wirksamer Prävention. Die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und Landkreis wurde erneut bekräftigt – ein wichtiger Baustein für die Sicherheit in unserer Region. Mit 3 458 registrierten Straftaten pro 100 000 Einwohnern bleiben wir der sicherste Landkreis in Niedersachsen.
Auch auf europäischer Ebene bot sich Gelegenheit zur Begegnung: Mit großer Herzlichkeit haben die Landkreise Ammerland und Pleszew das 25-jährige Jubiläum ihrer Partnerschaft gefeiert. Bei gemeinsamen Unternehmungen – einer Draisinentour und einer Kutterfahrt –, vor allem aber beim Festakt in der idyllischen Howieker Wassermühle wurde spürbar, wie menschlich und natürlich diese Verbindung gewachsen ist. Persönliche Worte, symbolische Geschenke und das Wiedersehen langjähriger Wegbegleiterinnen und -begleiter sorgten für bewegende Momente. Die Partnerschaft lebt vom Vertrauen, von der Begegnung und dem gemeinsamen Glauben an ein starkes Europa. Und sie soll weiterwachsen – mit Herz und Überzeugung.
Das sind die beiden Stichworte für meine nächste Mitteilung – Herz und Überzeugung: Maria Bruns wurde mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Ich durfte ihr diese besondere Ehrung im Auftrag des Bundespräsidenten feierlich im Rhododendronpark Gristede überreichen. Damit wird ihr jahrzehntelanges Engagement im Kreistag, in der Ammerland-Klinik und in zahlreichen Ehrenämtern gewürdigt. Dass die Auszeichnung auf Anregung des Niedersächsischen Ministerpräsidenten erfolgte, ist etwas ganz Besonderes – und ein starkes Zeichen der Anerkennung, auch für unseren Landkreis.
Zum Abschluss noch eine Mitteilung in eigener Sache: Meine Entscheidung, nicht erneut für das Amt der Landrätin zu kandidieren, wurde sehr verständnisvoll aufgenommen und hat breite Unterstützung erfahren – dafür danke ich herzlich. Der Entschluss ist nach reiflicher Überlegung im engen Austausch mit meiner Familie gefallen. Ausschlaggebend war auch die neue gesetzliche Regelung zur achtjährigen Amtszeit. Um Projekten wie dem Klinikneubau Planungssicherheit zu geben, möchte ich frühzeitig Raum für eine neue Amtsperiode schaffen. Mein Engagement gilt bis zum letzten Tag unverändert – mit voller Energie, Verantwortung und Leidenschaft – unserem Landkreis.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie – trotz der oft trüben Nachrichtenlage – die kleinen Lichtblicke nicht übersehen, sondern gerade deshalb aus vollem Herzen genießen und Kraft daraus schöpfen, vielleicht ja auch am 22. Juni am zweiten Tag der offenen Gärten im Ammerland!