Nutria
Die Nutria (Myocastor coypus) ist ein bei uns angesiedeltes Nagetier aus Südamerika. Aufgrund des ähnlichen Erscheinungsbildes werden Nutrias oft mit Bisams oder Bibern verwechselt.
Steckbrief
- Körper 40 bis 65 Zentimeter lang
- runder kaum behaarter Schwanz 30 bis 45 Zentimeter lang
- 2 bis 10 Kilogramm schwer, in Ausnahmefällen bis zu 14 Kilogramm
- lange weiße Tasthaare
- aufällige orange Nagezähne
- Hinterfüße mit Schwimmhäuten
Fortpflanzung
Nutrias halten keinen Winterschlaf, leben monogam und haben keine festen Paarungszeiten. Nach einer Tragzeit von circa 19 Wochen bringt das Weibchen im Durchschnitt sechs bis acht Jungtiere zur Welt, die sofort sehen können und voll behaart sind. Nach circa fünf Monaten sind sie bereits geschlechtsreif.
Lebensweise
Nutrias sind tag- und nachtaktiv. Sie leben meist paarweise in Kolonien zusammen. Ältere Tiere leben manchmal vereinzelt. Nutrias bauen Höhlen und Gänge hauptsächlich im Uferbereich von Wasserläufen oder Seen oberhalb des Wassers. In freier Wildbahn beträgt ihre Lebensspanne vier bis sechs Jahre. In Gefangenschaft können sie auch über zehn Jahre alt werden.
Nahrung
Hauptsächlich ernähren sich Nutrias von Wasserpflanzen, Ackerfrüchten wie Rüben, Kartoffeln, Feldgemüse und Mais, aber auch von Flussmuscheln.
Schutzstatus und Regulierung
Seit 2016 gelten Nutrias als invasive, gebietsfremde Tierart und stehen auf der EU-Liste invasiver Arten. Sie stammen ursprünglich aus Südamerika und verbreiten sich in Europa rasant. In ihren neuen Lebensräumen gefährden sie die heimische Biodiversität und richten insbesondere an Gewässern und Deichen erhebliche wirtschaftliche Schäden an.
Trotz ihres Status als invasive Art stehen Nutrias unter dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 39 BNatSchG). Das bedeutet, dass sie nicht ohne vernünftigen Grund beunruhigt, verletzt oder getötet werden dürfen. Ein solcher Grund liegt allerdings vor, wenn Schäden an der Wasser- bzw. Landwirtschaft drohen oder heimische Arten geschützt werden sollen.
In Niedersachsen sind Nutrias bereits seit 2002 jagdbar, seit 2018 sogar ganzjährig. Zur Kontrolle der wachsenden Population werden bei Bedarf in Abstimmung mit den Wasser- und Bodenverbänden sowie mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Landkreis Ammerland spezielle Fallen eingesetzt. Zusätzlich engangieren sich örtliche Jäger, deren wichtige Arbeit für den Natur- und Artenschutz nicht behindert werden darf. Fallen oder Fangvorrichtungen werden leider oftmals durch Außenstehende beschädigt, was den Straftatbestand der Sachbeschädigung darstellt und entsprechend geahndet wird.
Schäden für Natur, Land- und Wasserwirtschaft
Naturschutzfachliche Probleme
Durch das wachsende Vorkommen und die damit verbundene Zerstörung der Lebensräume für zahlreiche an diese Lebensräume gebunden Tier- und Planzenarten verdrängen Nutrias die heimischen Arten und gefährden die heimische Biodiversität. Nutrias können durch Abfressen landwirtschaftliche Schäden verursachen sowie großflächig Ufervegetation vernichten, was zur Schädigung von Brut- und Schutzräumen für Wasservögel, Fische und Amphibien führt.
Wasserwirtschaftliche Probleme
Aufgrund ihrer Lebensweise, insbesondere der selbst gegrabenen Gänge und Höhlen richten Nutrias nachhaltige und gefährliche Schäden an Deichen, Ufern, Dämmen und anderen wasserwirtschaftlichen Einrichtungen an, zum Beispiel Gräben, Kanäle, Regenrückhaltebecken. Es entstehen Einbrüche und Abbrüche von Ufern und Böschungen, Böschungsrutschungen, Unterspülungen oder Einbrüche gewässernaher Straßen. Unter Umständen werden dadurch auch die Arbeiten von Landwirten und Wasserverbänden entlang eines Gewässers erheblich gefährdet, wenn diese mit Schleppern und Baggern Unterhaltungsmaßnahmen vornehmen.
Durch die beschriebenen Schäden sind im Fall eines Hochwassers massive Auswirkungen für die umliegenden Bereiche zu befürchten.