Wann ist ein Moor ein Moor? Umweltbildungszentrum Ammerland vermittelt Schülerinnen und Schülern ökologisches Wissen
Ist das Große Engelsmeer noch ein intaktes Moor? Dieser Frage sind 17 Schüler eines Biologie-Leistungskurses der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede nachgegangen, indem sie den Moorsee vor Ort mit wissenschaftlichen Methoden untersuchten. Mitarbeiterende des Umweltbildungszentrums (UBZ) Ammerland und Leiter Ulrich Kapteina zeigten den Schülerinnen und Schülern, wie man den ökologischen Zustand eines Moors misst.
„Charakteristisch für Moore sind: niedriger Bewuchs, eine dadurch hohe Lichtintensität, wassergesättigte und gleichzeitig nährstoffarme Böden, Sauerstoffmangel und recht hohe Temperaturen“, erklärte Franziska Fiehne. Sie arbeitet jeden Donnerstag für das UBZ und unterrichtet sonst Biologie und Englisch am Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht. Neben Kapteina und Fiehne unterstützte der ehrenamtliche Helfer Thilo Kowalsky an diesem Tag das UBZ.
Die Schüler nahmen Bodenproben, untersuchten, wie viel Nitrat der Boden enthält, und bestimmten den pH-Wert des Bodens. Zur Einordnung: Der pH-Wert von reinem Wasser ist mit 7 neutral; Werte unter 7 gelten als sauer, Werte darüber als basisch. Hochmoore sollten einen pH-Wert zwischen 3,5 und 4,5 haben. Die 17- und 18-Jährigen maßen pH-Werte von teils 3, teils 5.
Es wurden auch verschiedene Pflanzenarten am Großen Engelsmeer bestimmt. Die Schülerinnen und Schüler fanden zum Beispiel Moorbirken, Scheidiges Wollgras, die Gewöhnliche Moosbeere, Heidelbeeren, Stieleichen, Preiselbeeren – und den durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützten Sonnentau. „Diese fleischfressende Pflanze fängt Fliegen, Mücken, Schmetterlinge und Kleinlibellen“, klärte Kapteina auf.
Als eines der Ergebnisse wurde festgehalten, dass fast alle gefundenen Pflanzen viel Licht brauchen. Typisch Moor, könnte man sagen. Und insgesamt? Handelt es sich beim Großen Engelsmeer um ein noch intaktes Moor? „Weitgehend ja!“, antwortete einer der Schüler. „Allerdings ist der Wasserstand schon so weit gesunken, dass in der Uferzone Bäume wachsen, die dem Ökosystem ‚Moor‘ eher schaden.“ Kapteina bestätigt das und ergänzte: „Bäume verschatten die niedrigwüchsigen Moorpflanzen und entziehen dem Boden zusätzlich Wasser.“
„Die Exkursion hat mir gefallen“, sagte Florian Ebert, Schüler an der KGS, „man ist verbunden mit der Natur.“ Er habe gelernt, welche Pflanzen im Moor wachsen. Andere Teilnehmende des Kurses waren zurückhaltender in ihrem Urteil: „Kann man mal machen!“ Der Lehrer des Leistungskurses Carsten Niehaus lobte die Exkursion: „ Super, in der Schule machen wir ja nicht genug solche Sachen.“
Moore: Fakten, warum sie so wichtig fürs Klima sind
Moore speichern schädlichen Kohlenstoff besser als Wälder. „In den deutschen Mooren ist genauso viel Kohlenstoff gespeichert wie in den Wäldern, obwohl Moore nur circa fünf Prozent der Landfläche ausmachen und Wälder etwa 30 Prozent“, schreibt die Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt. Aber mittlerweile sind mehr als 90 Prozent der Moore in Deutschland entwässert. Die Landwirtschaft nutzt die Flächen meist als Wald oder als Weide. Bei der Entwässerung der Moore oxidiert der Kohlenstoff und entweicht als klimaschädliches CO2. Das WDR-Wissenschaftsmagazin ‚Quarks‘ beziffert die Menge an CO2, die aus trockenen Mooren in Deutschland entweicht, auf 7,5 Prozent der deutschen Gesamtemissionen.