Blauzungenkrankheit

Blauzungenkrankheit - etwa die Hälfte der europäischen Länder von verschiedenen Serotypen betroffen

(Stand: 16.01.2026)

Bei der Blauzungenkrankheit (BT) handelt es sich um eine Viruserkrankung der Wiederkäuer. Der Erreger ist ein Orbivirus aus der Familie Reoviridae. Es gibt 24 klassische, bekämpfungswürdige Serotypen (BTV-1 bis BTV-24), sowie mindestens 8 weitere atypische Serotypen. Das Virus ist für den Menschen nicht gefährlich. Auch ein Verzehr von tierischen Lebensmitteln ist ohne Bedenken möglich. Es handelt sich um eine Viruserkrankung, die nicht direkt von Tier zu Tier, sondern über kleine, blutsaugende Mücken (Gnitzen) der Gattung Culicoides übertragen wird.

Seuchenlage in Deutschland und Europa
Seit dem 25.10.2023 wurden eine Vielzahl von BTV-Ausbrüchen (Serotyp 3) in Niedersachsen festgestellt. Die Nachweise stammen überwiegend aus Rinder- bzw. Schaf-/Ziegenhaltungen. Es gibt allerdings auch vereinzelt Nachweise bei Rotwild und Alpakas. Aufgrund massiver Seuchenausbrüche des Serotyps 3 im gesamten Bundesgebiet in 2024 wurde der Status „frei von der BT“ für alle Bundesländer ausgesetzt.

Am 8. Oktober 2025 wurde BT mit dem Serotyp 8 (BTV-8) bei einem Rinderbetrieb an der französisch-deutschen Grenze in Baden-Württemberg amtlich bestätigt. Dies war der erste Nachweis von BTV-8 seit 2019 in Deutschland. Kurz darauf wurde BTV-8 bei Rindern bzw. bei Schafen auch in Bayern nachgewiesen. Es folgten das Saarland, Rheinland Pfalz, Sachsen und zuletzt ein Ausbruch in Aachen, Nordrhein-Westfalen.

In den europäischen Nachbarländern zeigt sich das Auftreten neuer Serotypen seit 2023 zunehmend dynamisch. In Österreich wurden seit 2024 Fälle von BTV-3 und BTV-4 gemeldet. Während die BTV-4 Ausbrüche in Österreich seit September 2025 nicht mehr nachgewiesen wurden, kam im August 2025 BTV-8 als neuer Serotyp hinzu. In der Schweiz zirkulieren die Serotypen BTV-3 und BTV-8. In Frankreich sind aktuell BTV-3 und BTV-8 nachweisbar; BTV-4 wurde seit 2018 nur auf Korsika gemeldet. Auf Sardinien wurde am 22. September 2025 BTV-5 nachgewiesen. Auch dieser Serotyp tritt damit zum ersten Mal in Europa auf. In Norditalien werden Fälle von BTV-4 gemeldet. In den Niederlanden wurde im Oktober 2024 erstmals der Serotyp 12 (BTV-12) nachgewiesen. Im weiteren Verlauf gab es im Februar 2025 auch einen einzelnen Nachweis in Großbritannien. Dieser Serotyp kam bisher in der EU noch nicht vor, ist aber in anderen Ländern außerhalb Europas weit verbreitet (Israel und Länder im südlichen Afrika, Nord-, Mittel- und Südamerika, Zentralasien, Südostasien und Australien).

Symptome
Nach bisheriger Erfahrung sind Rinder von einer Infektion symptomatisch nicht so stark betroffen wie Schafe, allerdings mehren sich in letzter Zeit auch Fälle von schwerer klinischer Symptomatik bei Rindern, die sogar tödlich enden. Es wurden Symptome wie erheblicher Milchrückgang, teils über mehrere Wochen, Fressunlust, leichtes Fieber und Abgeschlagenheit beobachtet. Es gab allerdings auch diverse Fälle, wo gar keine Krankheitsanzeichen beobachtet wurden und die Infektion zufällig im Rahmen von Monitoring- oder Handelsuntersuchungen entdeckt wurden. Schafe hingegen zeigen eine ausgeprägtere Symptomatik mit Apathie, Fressunlust, Fieber und Verfärbungen und Erosionen an der Maulschleimhaut. Häufiger kommt es auch zu Todesfällen. Da bei den Rindern die Symptome weniger ausgeprägt sein können, ist es umso wichtiger die Tiere genau zu beobachten und auf Anzeichen einer Erkrankung wie z.B. Fressunlust oder erhöhte Temperatur zu achten.

Folgen für den Handel
Der Verlust des BT-Freiheitsstatus geht mit Einschränkungen im Handel mit lebenden empfänglichen Tierarten einher: Betroffen ist der Handel mit Rindern, Schafen, Ziegen, Gatterwild und Kameliden. Die Einschränkungen für den Handel sind serotypabhängig. Da das ganze Bundesgebiet in Bezug auf Serotyp 3 seinen Freiheitsstatus verloren hat, ist das Verbringen innerhalb Deutschlands und auch in einige Nachbarländer uneingeschränkt möglich. Anders verhält es sich in Bezug auf den Serotyp 8, welcher bisher erst in einigen Bundesländern nachgewiesen worden ist.

Seit Oktober 2025 wurden in Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Nordrhein-Westfalen Ausbrüche der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 gemeldet. Hiervon sind die genannten Bundesländer und z. T. auch Nachbarbundesländer (durch 150 km- Sperrzonen) betroffen. Verbringungen empfänglicher Tiere aus gesamt Baden-Württemberg, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Sachsen und aus Teilen Bayerns, Hessens, Nordrhein-Westfalens, Brandenburgs, Thüringens und Berlins unterliegen somit aktuell Einschränkungen.

Impfung
Zum Schutz empfänglicher Tiere vor einer klinischen Infektion mit dem Virus der Blauzungenkrankheit kommt der Impfung eine besondere Bedeutung zu.

Aktuell gibt es drei zugelassene Impfstoffe gegen BTV-3. Alle drei sind in Besitz einer Zulassung „unter außergewöhnlichen Umständen“, da die Angaben zum Ende des Immunitätszeitraums noch fehlen. Diese Studien sind noch nicht abgeschlossen. Gemäß den Angaben der Hersteller in den Gebrauchsinformationen der BTV-3 Impfstoffe reduziert die Anwendung die Klinik und die Virämie nach einer Infektion mit dem BTV-3 Virus. Aus den bisherigen Impferfahrungen ist bekannt, dass die Anwendung der Impfstoffe sicher ist und von den geimpften Schafen und Rindern gut vertragen wird. Allerdings wurde vor allem aus den Niederlanden berichtet, dass auch geimpfte Tiere an BTV-3 klinisch erkranken können.

Gegen BTV-8 sind zugelassene Impfstoffe erhältlich. Die Impfung gegen BTV-8 wird zusätzlich zur BTV-3-Impfung – auch in Kombination mit BTV-4 – empfohlen.

Für den Serotyp 12 steht derzeit kein Impfstoff zur Verfügung.

Um die Nachvollziehbarkeit von durchgeführten Impfungen gewährleisten zu können, und der Mitteilungspflicht gemäß Allgemeinverfügung nachzukommen, müssen die Impfungen in der Hi-Tier Datenbank eingetragen werden.

Weitere Informationen
Weitere Informationen zu den Verbringungsregelungen, den Rechtsgrundlagen rund um BTV, den Impfempfehlungen und zu Eintragung der Impfung in HI-Tier finden Sie auf der Informationsseite des LAVES ((Niedersächisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit).