Verwaltungsbericht der Landrätin für den Kreistag am 1. Oktober 2026
Wie immer möchte ich mit einer guten Botschaft starten: Bei unserem größten und bedeutendsten Zukunftsprojekt geht es mit großen Schritten voran. Gemeinsam mit Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi und den Projektbeteiligten haben wir am 7. August feierlich den Grundstein für das Gesundheitsquartier Ammerland gelegt. Ein besonderer Termin, der noch einmal deutlich gemacht hat, welchen Stellenwert unser Klinikzentrum auch über die Grenzen des Ammerlandes hinaus besitzt. Seitdem geht es zügig weiter: Die Arbeiten an der Erdsondenanlage für die nachhaltige geothermische Energieversorgung sind abgeschlossen, und am 1. September hat das beauftragte Rohbauunternehmen die Arbeiten aufgenommen. Was wir über viele Jahre geplant, vorbereitet und gemeinsam auf den Weg gebracht haben, nimmt jetzt Tag für Tag für alle sichtbar Gestalt an.
Ein starkes Signal für die gemeinsame Zukunft von Weser-Ems setzte Ende August die neue Regionalstrategie der Arbeitsgemeinschaft Weser-Ems „Zusammen.Wachsen – Transformationspfade für Weser-Ems“, die im Schloss Jever offiziell präsentiert wurde. Für den Landkreis Ammerland nahm Erster Kreisrat Ralf Denker an der Übergabe an Ministerpräsident Olaf Lies teil, der als Mitglied der Arbeitsgruppe zuvor an der Erarbeitung der Strategie mitgewirkt hatte. Das gemeinsam entwickelte Zukunftskonzept bündelt die Kräfte der zwölf Landkreise und fünf kreisfreien Städte und setzt Schwerpunkte in den Bereichen Energie, Bioökonomie sowie maritime Wirtschaft und Wasser. Ziel ist es, den Strukturwandel gemeinsam zu gestalten, regionale Stärken auszubauen und Weser-Ems langfristig zukunftsfähig aufzustellen. Im nächsten Schritt sollen prioritäre Schlüsselprojekte entwickelt werden, die die gemeinsamen Ziele mit Leben füllen.
Erfreuliche Nachrichten gibt es auch vom Arbeitsmarkt: Im September 2026 ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis Ammerland weiter gesunken. 2.556 Menschen waren arbeitslos gemeldet – 157 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote verringerte sich auf 3,6 Prozent und liegt damit auch unter dem Vorjahreswert von 3,8 Prozent. Im regionalen und überregionalen Vergleich steht das Ammerland damit weiterhin sehr gut da: In Niedersachsen lag die Arbeitslosenquote im September bei 6,1 Prozent, bundesweit bei 6,4 Prozent. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt hoch: Im September waren 1.296 offene Stellen gemeldet – 19 mehr als vor einem Jahr. Besonders in der Fertigung, im Baugewerbe, im Gesundheitswesen und in der Logistik werden Fach- und Arbeitskräfte gesucht. Einen konkreten Beitrag zur weiteren Entwicklung soll die Jobmesse am 7. Oktober leisten: 14 Arbeitgeber aus Rastede, Wiefelstede und der Region treffen dort auf Arbeitssuchende aus dem gesamten Landkreis, um neue Perspektiven für Arbeit, Ausbildung, Praktika und berufliche Integration zu eröffnen.
Wachstum spielt auch beim nächsten Thema eine Rolle – allerdings im ganz wörtlichen Sinne. Mitte August durfte ich im Park der Gärten die sechs Gewinnerinnen unseres Wettbewerbs „Lebendige Vorgärten im Ammerland“ auszeichnen. Aus Apen, Bad Zwischenahn, Edewecht, Rastede, Westerstede und Wiefelstede wurde jeweils eine Gewinnerin ausgewählt, deren Vorgarten nun auf rund 20 Quadratmetern und im Wert von bis zu 2.500 Euro durch einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb naturnah umgestaltet wird. Mit dem Wettbewerb möchten wir ganz praktisch zeigen, wie selbst auf kleinen Flächen wertvolle Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und andere heimische Insekten entstehen können. Und vielleicht machen die sechs Vorgärten ja auch andernorts Lust auf ein bisschen mehr Natur direkt vor der eigenen Haustür!
Vom Vorgarten ins Netz: Mit zwei gut besuchten Formaten setzte die Veranstaltungsreihe „Digitale Gewalt“ im Berichtszeitraum weitere Akzente. Im Vortrag „Essstörungen in Zeiten von Social Media“ standen die Auswirkungen digitaler Medien auf Körperbild und Essverhalten im Mittelpunkt. Der Online-Workshop „Digitale Zivilcourage gegen Rassismus“ zeigte konkrete Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Hass und rassistischen Anfeindungen im Netz auf. Beide Angebote stießen auf eine erfreuliche Resonanz und bestätigten das große Interesse an einer praxisnahen Auseinandersetzung mit den Herausforderungen digitaler Räume.
Und auch baulich hat sich im Berichtszeitraum einiges getan: Bei den kreiseigenen Liegenschaften standen weitere Modernisierungen an. Im Kreishaus begann die Erneuerung der Heizung. Nach dem Ausbau der alten Anlage und der Sanierung des Schornsteins wurde der neue Kessel Mitte September in Betrieb genommen. Weitere Arbeiten einschließlich des Einbaus der Wärmepumpe folgen nach der Heizperiode.
Auch die Ausfallsicherheit der digitalen Infrastruktur wurde deutlich verbessert. Dafür erhielt das Kreishaus eine zweite, redundante LWL-Netzwerkanbindung, die von der Ammerlandallee bis in den Serverraum verlegt wurde. Fällt die bestehende Leitung aus, kann die zusätzliche Verbindung übernehmen und damit die Funktionsfähigkeit der digitalen Infrastruktur absichern.
Auch an den Berufsbildenden Schulen wurde modernisiert: In Trakt 1 des Hauptgebäudes wurden 701 Lichtpunkte auf moderne LED-Technik mit Lichtsteuerung umgerüstet. Die mit knapp 32.000 Euro geförderte Maßnahme reduziert den Stromverbrauch um rund 70 Prozent und spart etwa 650 Tonnen CO₂ ein.
Wir bleiben beim Thema Bauen: Der Radweg entlang der Kreisstraße 138 „Friedrichstraße/Woldlinie“ zwischen Petersfehn II und Kayhauserfeld wurde von Mai bis Juli 2026 saniert. Auf einer Länge von rund 1 500 Metern erhielt die Strecke eine neue Oberfläche. Damit wurde die wichtige Radwegeverbindung deutlich aufgewertet. Die erforderlichen Haushaltsmittel hatte der Kreistag im Oktober 2024 bereitgestellt.
Der ÖPNV im Ammerland nimmt weiter Fahrt auf: Seit dem 1. August betreiben Hilgen und Wilmering unter dem Namen AMobil das Linienbündel Ammerland Süd mit rund 40 überwiegend fabrikneuen Bussen. Zusätzliche Fahrten auf den Linien 375 und 380 verbessern die Verbindungen nach Bad Zwischenahn und Oldenburg. Zudem wurden die schulrelevanten Fahrpläne in den Gemeinden Edewecht und Bad Zwischenahn zum Schuljahresbeginn neu geordnet. Die Standorte der Kreisvolkshochschule sowie weitere Institutionen und Geschäfte in Westerstede Am Esch und der Langebrügger Straße sind durch die Linien 360 und 366 nun deutlich besser erreichbar. Aufgrund der notwendigen Haushaltskonsolidierung verkehren die Linien 330 und 340 sonn- und feiertags künftig im Stundentakt; werktägliche Spätfahrten nach 22 Uhr entfallen. Auch optisch zeigt sich der Nahverkehr im Ammerland künftig moderner: Das neue, vom Amt für Digitalisierung und Öffentlichkeitsarbeit entwickelte Fahrzeugdesign sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert.
Bei der digitalen Kommunikation gibt es gleichfalls Neues: Zwei Jahre nach seinem Start zählt der WhatsApp-Kanal des Landkreises bereits rund 8 450 Abonnentinnen und Abonnenten. Zum Geburtstag erhielten die Themengrafiken ein neues Design. Gleichzeitig ging Ende August mit MOIN Ammerland. die neue Website des Landkreises an den Start. Sie präsentiert sich moderner, intuitiver und barrierefreier und bietet unter anderem eine schlankere Navigation, leistungsfähigere Suchfunktionen, Inhalte in Leichter Sprache sowie eine Web-App für künftige Push-Nachrichten. Damit baut der Landkreis seine digitalen Informations- und Serviceangebote konsequent aus.
Die Informationskampagne „Unabhängig im Notfall“ des Landkreises Ammerland und seiner kreisangehörigen Kommunen stößt auch außerhalb des Kreisgebietes auf Interesse. Nach der Vorstellung der Kampagne am 26. August im Rahmen des Kriegs- und Krisenmanagements der Stadt Oldenburg wurde das Konzept sehr positiv aufgenommen. Sowohl die Stadt Oldenburg als auch Ärzte, Apotheken und Kliniken haben Interesse an einer Nutzung der gemeinsam vom Gesundheitsamt und dem Amt für Digitalisierung und Öffentlichkeitsarbeit entwickelten Materialien bekundet. Dass unser Konzept damit über die Kreisgrenzen hinaus Schule macht, ist eine besondere Anerkennung für die im Ammerland geleistete Arbeit und zeigt, dass wir mit unserer Kampagne offenbar genau den richtigen Ansatz gewählt haben.
Von der Vorsorge für den Ernstfall zu ganz konkreter Hilfe für andere: Auch beim Behörden-Blutspendetermin im Kreishaus gab es im Berichtszeitraum Erfreuliches zu vermelden. 101 Menschen kamen zur Blutspende und sorgten damit erstmals für ein dreistelliges Ergebnis. Sieben von ihnen spendeten zum ersten Mal Blut. Zugleich wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2006 mit 97 Spenden übertroffen. Ein starkes Zeichen für Solidarität und Hilfsbereitschaft im Kreishaus!
Über die eigentliche Arbeit der Kreisverwaltung hinaus möchte ich den Blick noch auf einen besonderen Höhepunkt richten: die Weltmeisterschaft der Vierspänner in Rastede. Auf dem traditionsreichen Turnierplatz traf sich die internationale Fahrsportelite und bot Pferdesport auf höchstem Niveau. Für mich war es eine besondere Freude, das Ammerland dabei repräsentieren zu dürfen. Dass eine Weltmeisterschaft hier bei uns ausgetragen wurde, zeigt eindrucksvoll, welchen Stellenwert der Pferdesport in unserer Region genießt. Mein herzlicher Dank gilt allen, die mit großem Engagement und unzähligen ehrenamtlichen Stunden zum Gelingen beigetragen und dafür gesorgt haben, dass sich das Ammerland als hervorragender Gastgeber zeigen konnte.
Ein ganz besonderer Termin war für mich Ende August das Erntefest in unserem polnischen Partnerlandkreis Pleszew. Denn auch hier hieß es Abschied nehmen: Es war meine letzte Reise dorthin als Landrätin. In den vergangenen fünf Jahren habe ich immer wieder erleben dürfen, wie lebendig unsere Partnerschaft ist und wie sehr sie von Verbundenheit und gegenseitiger Wertschätzung getragen wird. Umso bewusster habe ich die gemeinsame Zeit genossen. Ein wenig Wehmut gehörte natürlich dazu, vor allem aber große Dankbarkeit für die außergewöhnliche Gastfreundschaft und viele persönliche Begegnungen. Dass dieser Abschied in einem so festlichen Rahmen stattfinden durfte, war für mich ein besonders schöner Abschluss.
Bevor ich meinen letzten Verwaltungsbericht schließe, möchte ich Danke sagen: Ihnen, den Mitgliedern des Kreistages, für die Zusammenarbeit in den vergangenen fünf Jahren und meinen Kolleginnen und Kollegen in der Kreisverwaltung für ihren großen Einsatz und ihre verlässliche Unterstützung. Es war mir eine große Ehre, als Landrätin Verantwortung für das Ammerland tragen und seine Entwicklung mitgestalten zu dürfen. Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf diese fünf Jahre und auf das gemeinsam Erreichte zurück.
Unserem Ammerland alles Gute für die Zukunft. Dem neuen Landrat sowie der Bürgermeisterin und den Bürgermeistern, die in den kommenden Jahren Verantwortung in unseren Gemeinden tragen, wünsche ich viel Erfolg, eine glückliche Hand und eine weiterhin gute Zusammenarbeit zum Wohle der Menschen in unserem Ammerland.