Karin Harms nach fünf Jahren als Landrätin verabschiedet
„Den Menschen zugehört, unterschiedliche Interessen zusammengeführt und stets auf gemeinsame Lösungen gesetzt“
Mit einer Feierstunde im Kreishaus in Westerstede hat der Landkreis Ammerland Landrätin Karin Harms nach fünf Jahren im Amt verabschiedet. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kommunen und Gesellschaft würdigten ihren Einsatz für das Ammerland.
Unter den Gästen waren Ministerpräsident Olaf Lies, der stellvertretende Präsident des Deutschen Landkreistages und des Niedersächsischen Landkreistages Landrat Sven Ambrosy, Landrat Matthias Groote als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Landkreise und kreisfreien Städte in Weser-Ems sowie Maciej Wasielewski, Landrat des polnischen Partnerlandkreises Pleszew.
Stimmen zum Abschied von Karin Harms
Olaf Lies würdigte besonders Karin Harms’ Rolle als Bindeglied zwischen kommunaler Ebene und Land: „Karin Harms hat sich mit großem Engagement für die Menschen im Ammerland eingesetzt. Sie hat zugehört, unterschiedliche Interessen zusammengeführt und stets nach tragfähigen Lösungen gesucht. Gegenüber dem Land Niedersachsen war sie eine starke, verlässliche und geschätzte Stimme ihrer Region. Mit Klarheit und Nachdruck hat sie die Anliegen der Kommunen vertreten und dabei immer den Dia-log und den gemeinsamen Weg in den Blick genommen. Diese Fähigkeit, Interessen auszugleichen, Brücken zu bauen und Vertrauen zu schaffen, hat ihr Wirken in besonderer Weise geprägt. Dafür gebühren ihr Dank und Anerkennung“.
Ihr Engagement im Niedersächsischen Landkreistag würdigte Landrat Sven Ambrosy, der dessen Präsidenten, Landrat Marco Prietz, bei der Feierstunde vertrat: „Karin Harms hat sich im Niedersächsischen Landkreistag mit klarer Haltung und großem Engagement eingebracht. Sie kannte die Herausforderungen der kommunalen Praxis und hat die Interessen der Landkreise mit Nachdruck vertreten. Dabei hatte sie stets auch das gemeinsame Ganze im Blick. Auf ihr Wort war Verlass.“
Den Blick auf Weser-Ems richtete Matthias Groote: „Karin Harms hat den Nordwesten immer als gemeinsamen Gestaltungsraum verstanden. Sie wusste: Wenn wir unsere Kräfte bündeln und mit einer Stimme sprechen, können wir für Weser-Ems mehr erreichen. Diesen Gedanken hat sie mit Überzeugung und großem Engagement vorangetrieben.“
Eine besonders persönliche Würdigung kam aus dem Partnerlandkreis Pleszew. Landrat Maciej Wasielewski erklärte: „Karin Harms hat unserer langjährigen Partnerschaft mit ihrer Herzlichkeit und ihrem echten Interesse an den Menschen viele persönliche Momente hinzugefügt. Die Begegnungen mit ihr haben unsere Verbundenheit weiter gestärkt und Freundschaften vertieft. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Sie wird uns in Pleszew fehlen.“
Den Bogen zurück zum Ammerland und zur gemeinsamen Arbeit im Kreistag schlug schließlich der Kreistagsvorsitzende Thorsten Bohmann: „Karin Harms hat den Landkreis Ammerland in einer außergewöhnlich herausfordernden Zeit geführt: nicht laut und nicht mit großen Gesten, sondern nahbar, zugewandt und mit dem festen Vertrauen darauf, dass gute Lösungen im Miteinander entstehen. Sie hat unserem Landkreis in bewegten Zeiten ein verlässliches Gesicht gegeben.“ Bereits am 1. Oktober war Karin Harms in der letzten Kreistagssitzung der laufenden Wahlperiode offiziell vom Kreistag verabschiedet worden.
Fünf Jahre zwischen Krise und Zukunftsgestaltung
Karin Harms hatte ihr Amt mitten in der Corona-Pandemie übernommen. Nur wenige Monate später stellte die Aufnahme zahlreicher Geflüchteter aus der Ukraine den Landkreis vor die nächste große Aufgabe. Gemeinsam mit den Gemeinden und der Stadt Westerstede gelang es, die Menschen überwiegend dezentral unterzubringen. Zugleich wurden angesichts steigender Sozialausgaben, höherer Energiekosten und zusätzlicher Aufgaben die finanziellen Spielräume zunehmend enger.
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen brachte der Landkreis zentrale Zukunftsvorhaben auf den Weg. Dazu zählen die Entwicklung des Gesundheitsquartiers mit dem Klinikneubau, dessen Investitionsvolumen rund 233 Millionen Euro beträgt, sowie die Verlängerung der Zusammenarbeit zwischen Ammerland-Klinik und Bundeswehrkrankenhaus bis 2054. Hinzu kamen die Erweiterung der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Elmendorf, Radwege- und Straßenbauprojekte sowie die Planungen für den Neubau der Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung.
Weitere Schwerpunkte setzte Harms bei Digitalisierung, Klimaschutz und Mobilität. Die Kreisverwaltung baute ihre digitalen Angebote aus; dem WhatsApp-Kanal des Landkreises folgen inzwischen rund 8 450 Menschen. Zudem wurde das Klimaschutzkonzept beschlossen und der öffentliche Nahverkehr mit neuen Linienvergaben, dichteren Takten und ersten Elektrobussen weiterentwickelt.