Starke Begleitung für junge Menschen: Landkreis wirbt für ehrenamtliche Vormundschaften
„Kinder brauchen Menschen, die ihre Interessen vertreten.“ Mit dieser Botschaft machte der Landkreis Ammerland jetzt im Rahmen eines Pressegesprächs auf die Bedeutung ehrenamtlicher Vormundschaften aufmerksam. Jugendamtsleiterin Diana Fedder-Heikens, Maj Osterloh, Ansprechpartnerin für ehrenamtliche Vormundschaften und Pflegschaften, sowie eine ehrenamtliche Vormundin informierten über die Aufgaben dieses besonderen Ehrenamts und berichteten aus der Praxis.
Ein Vormund übernimmt die rechtliche Vertretung eines Kindes oder Jugendlichen, wenn die Eltern diese Aufgabe nicht wahrnehmen können. Gründe dafür gibt es verschiedene: Eltern können verstorben sein, dauerhaft ausfallen oder ein Kind kommt ohne seine Familie aus einem anderen Land nach Deutschland. Welche Person die Vormundschaft übernimmt, entscheidet das Familiengericht. Vormundinnen und Vormünder begleiten die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen häufig über einen längeren Zeitraum. Sie treffen wichtige Entscheidungen – etwa zu schulischen Fragen, zur Gesundheitsfürsorge oder zu notwendigen Unterstützungsangeboten – und stehen ihnen als verlässliche Bezugsperson zur Seite. Im Landkreis Ammerland sind derzeit drei Amtsvormünder und eine Amtsvormundin tätig, die insgesamt rund 160 Kinder und Jugendliche betreuen.
„Nicht jedes Kind hat Menschen, die seine Interessen zuverlässig vertreten. Umso wichtiger sind Ehrenamtliche, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und einem jungen Menschen Orientierung und Sicherheit zu geben“, betonte Diana Fedder-Heikens. „Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag für die Entwicklung dieser Kinder und Jugendlichen.“
Neben beruflichen Vormundschaften – etwa durch Jugendämter oder Betreuungsvereine – besteht die Möglichkeit, eine Vormundschaft ehrenamtlich zu übernehmen. Dabei kann ein ehrenamtlicher Vormund ein Kind begleiten, das beispielsweise in seiner Familie oder einer Jugendhilfeeinrichtung lebt. Auch Pflegeeltern können die Vormundschaft für ein bereits bei ihnen lebendes Pflegekind übernehmen. Ebenso kommen Menschen aus dem familiären Umfeld – etwa Großeltern, Tanten oder Onkel – für diese Aufgabe infrage, aber auch Menschen, die sich generell vorstellen können, eine solche Verantwortung zu übernehmen.
„Interessierte, die ein solches Ehrenamt übernehmen möchten, benötigen nicht zwingend Fachkenntnisse. Sie werden fachlich geschult und nach Bedarf kontinuierlich beraten und begleitet“, erläuterte Maj Osterloh. „Entscheidend sind Zuverlässigkeit, Geduld, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.“ Derzeit werden im Landkreis Ammerland 30 Vormundschaften ehrenamtlich geführt. Das Jugendamt möchte den Anteil ehrenamtlicher Vormundschaften weiter erhöhen und dafür weitere geeignete Personen gewinnen.
Wie wichtig und zugleich bereichernd dieses Ehrenamt sein kann, machte eine ehrenamtliche Vormundin aus dem Ammerland deutlich. „Sabine Meyer“, die die Vormundschaft für ihr Pflegekind übernommen hat, berichtete im Pressegespräch über ihre Erfahrungen. Ihr Name wurde zum Schutz des Kindes und seiner Familie geändert.
„Unser Mündel lebt schon seit seiner frühen Kindheit in unserer Familie. Die Vormundschaft bedeutet für uns, nicht nur im Alltag für das Kind da zu sein, sondern auch offiziell Verantwortung für seine Rechte und seine Zukunft zu übernehmen“, berichtete „Sabine Meyer“. Das zeige sich auch bei ganz alltäglichen Dingen – etwa, wenn ein Zeugnis unterschrieben werden muss oder Entscheidungen im Zusammenhang mit einem Arzttermin anstehen. Gerade in sensiblen Situationen sei diese Verantwortung wichtig: „Es ist gut, wenn wir Entscheidungen direkt treffen können und unser Mündel weiß, dass wir seine Interessen vertreten. Das gibt Sicherheit und stärkt das Vertrauen.“
Sie möchte auch andere Menschen ermutigen, sich mit einer ehrenamtlichen Vormundschaft auseinanderzusetzen. Für Kinder und Jugendliche sei es besonders wichtig, jemanden an ihrer Seite zu wissen, der verlässlich für sie eintritt und ihre Bedürfnisse im Blick behält. Eine solche Begleitung könne ihnen Sicherheit geben und sie darin stärken, ihren eigenen Weg zu gehen. Zugleich gebe die Aufgabe auch den Menschen, die diese Verantwortung übernehmen, viel zurück. Davon profitiere letztlich auch die Gesellschaft: Kinder und Jugendliche erhielten verlässliche Unterstützung und damit bessere Chancen, ihren Platz im Leben zu finden.
Wer mehr über die ehrenamtliche Vormundschaft erfahren möchte, kann sich beim Jugendamt des Landkreises Ammerland informieren. Am Mittwoch 7. Oktober 2026, um 17:30 Uhr findet in der Apothekervilla, Gaststraße 4 in Westerstede, eine Informationsveranstaltung für Interessierte statt. Um Voranmeldung wird gebeten.
Ansprechpartnerin ist Maj Osterloh. Sie ist per E-Mail oder telefonisch unter 04488 56-3240 erreichbar. Weitere Informationen und ein Kontaktformular gibt es auf der Infoseiteseite des Landkreises Ammerland: