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Ehrenamtliche Vormundschaften

Ein junger Mensch braucht jemanden, der an seiner Seite steht.

Nicht alle Kinder und Jugendlichen können von ihren Eltern gesetzlich vertreten werden. Dann braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und die Interessen des jungen Menschen im Blick behalten.

Eine ehrenamtliche Vormundschaft bedeutet: Du wirst rechtliche Vertretung und verlässliche Ansprechperson für ein Kind oder einen Jugendlichen. Du begleitest, hörst zu, entscheidest mit und setzt dich dafür ein, dass junge Menschen gut aufwachsen können.

Das kann eine sehr besondere und sinnvolle Aufgabe sein – für den jungen Menschen, aber auch für dich selbst.

Wer kann ehrenamtliche Vormundin oder ehrenamtlicher Vormund werden?

Ehrenamtliche Vormundinnen und Vormünder können zum Beispiel Verwandte, Freundinnen und Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn oder andere engagierte Bürgerinnen und Bürger sein.

Seit der Vormundschaftsreform vom 1. Januar 2023 sollen ehrenamtliche Vormundinnen und Vormünder vorrangig eingesetzt werden, wenn sie für den jungen Menschen am besten geeignet sind. Die Koordinierungsstelle prüft die Eignung, begleitet das Verfahren und gibt eine Empfehlung an das Familiengericht weiter. Die Entscheidung trifft das Familiengericht.

Im Landkreis Ammerland freuen wir uns über Menschen, die sich für diese verantwortungsvolle Aufgabe interessieren.

Vielleicht bist genau du die Person, die einem jungen Menschen Halt, Orientierung und eine starke Stimme geben kann.

Welche Aufgaben stehen im Vordergrund?

Als ehrenamtliche Vormundin oder ehrenamtlicher Vormund vertrittst du einen jungen Menschen rechtlich. Du triffst wichtige Entscheidungen für ihn und achtest darauf, dass seine Interessen berücksichtigt werden.

Dazu gehört zum Beispiel:

  • Du hältst regelmäßigen Kontakt zum jungen Menschen.
  • Du nimmst seine Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse ernst.
  • Du arbeitest mit Fachkräften, Behörden, Schulen, Pflegepersonen oder Einrichtungen zusammen.
  • Du entscheidest in wichtigen Angelegenheiten mit, zum Beispiel bei Schule, Gesundheit oder Aufenthalt.
  • Du setzt dich dafür ein, dass der junge Mensch gut begleitet und unterstützt wird.

Dabei bist du nicht allein: Die Koordinierungsstelle des Landkreises Ammerland bereitet dich auf die Aufgabe vor und steht dir beratend zur Seite.

Was sollte ich noch wissen?

Eine ehrenamtliche Vormundschaft ist eine verantwortungsvolle Aufgabe – aber du musst keine juristische oder pädagogische Ausbildung mitbringen.

Wichtig ist vor allem, dass du zuverlässig bist, Interesse an jungen Menschen hast und bereit bist, dich auf die Aufgabe einzulassen.

Außerdem gilt:

  • Der junge Mensch lebt in der Regel nicht in deinem Haushalt. Eine Ausnahme kann bestehen, wenn bereits ein Pflegeverhältnis vorliegt.
  • Es werden keine rechtlichen oder pädagogischen Qualifikationen vorausgesetzt.
  • Du musst keine eigenen finanziellen Aufwendungen tragen.
  • Du erhältst eine jährliche Aufwandspauschale vom Familiengericht.
  • Eine Vertretungsregelung gibt es grundsätzlich nicht.

Was für Voraussetzungen sind erforderlich?

Damit du ehrenamtliche Vormundin oder ehrenamtlicher Vormund werden kannst, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Du solltest:

  • volljährig und uneingeschränkt geschäftsfähig sein,
  • nicht selbst unter gesetzlicher Betreuung stehen,
  • an einer Schulung für ehrenamtliche Vormundinnen und Vormünder teilnehmen,
  • ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen,
  • eine ärztliche Bescheinigung einreichen,
  • einen Bewerbungsfragebogen ausfüllen,
  • einen Auszug aus dem Schuldnerverzeichnis und gegebenenfalls aus dem Vermögensverzeichnis vorlegen.

Die nächsten Schulungen sind derzeit für Oktober und November 2026 in Planung.

Welche Formen der Vormundschaft gibt es?

Es gibt verschiedene Formen der Vormundschaft und Pflegschaft:

  • Ehrenamtliche Vormundschaft
  • Vereinsvormundschaft
  • Amtsvormundschaft
  • Berufliche Vormundschaft

Die ehrenamtliche Vormundschaft hat dabei eine besondere Bedeutung, weil sie jungen Menschen eine persönliche, verlässliche und individuelle Begleitung ermöglichen kann.

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1. Können Sie kurz erklären, was eine ehrenamtliche Vormundschaft überhaupt beinhaltet und was das für Sie bedeutet?

„Kurz erklärt beinhaltet eine ehrenamtliche Vormundschaft für uns, dass wir vom Familiengericht als Privatpersonen freiwillig und unbezahlt die rechtliche Verantwortung für ein Kind oder einen Jugendlichen, eine Jugendliche übernehmen.

Es beinhaltet,
dass wir unser Mündel rechtlich vertreten, zum Beispiel bei Behörden, in der Schule oder bei medizinischen Entscheidungen; 
dass wir die Entwicklung fördern, das heißt wir begleiten unser Mündel dabei selbstständig zu werden und eigene Entscheidungen zu treffen;
dass wir das Vermögen verwalten und
dass wir den Aufenthalt bestimmen, zum Beispiel bei wichtigen Fragen rund um den Lebensmittelpunkt des Kindes mitzuwirken und sicherzustellen, dass der Aufenthaltsort dem Wohl des Kindes entspricht.

Unser Mündel ist auch unser Pflegekind, das bedeutet, dass wir nicht nur im Alltag da sind, sondern auch offiziell die rechtliche Verantwortung tragen. Emotional bedeutet es für uns, dass wir nicht nur die Menschen sind, die unserem Pflegekind ein Zuhause geben, sondern auch diejenigen, die offiziell für ihre Rechte und ihre Zukunft einstehen. Unser Mündel lebt bereits 14 Jahre bei uns, wir kennen ihre Persönlichkeit, ihre Stärken und ihre Bedürfnisse sehr gut.“

2. Muss man besondere Voraussetzungen oder Fachkenntnisse mitbringen?

„Man braucht keine speziellen beruflichen Qualifikationen, um eine Vormundschaft zu übernehmen. Was zählt, ist die persönliche Eignung: dass man verantwortungsbewusst ist, dem Kind zugewandt und bereit ist, sich für das Wohl des Mündels einzusetzen. Es wird vom Gericht individuell geprüft.“

3. Welche Aufgaben und Entscheidungen gehören konkret zu Ihrem Alltag und wieviel Zeit sollte man realistisch einplanen?

„Im Moment dreht sich bei uns der Alltag vor allem um schulische Themen. Gleichzeitig widmet sich unser Mündel seit einiger Zeit sehr intensiv dem Reitsport, was viele Veränderungen mit sich bringt und sie sozial weiterwachsen lässt, während wir sie dabei begleiten. Auch Gesundheitsfürsorge spielt eine Rolle, wie zum Beispiel Arztbesuche, bei denen wir für Entscheidungen verantwortlich sind. Es besteht zurzeit kein Kontakt zum Elternhaus, somit liegt alles in unseren Händen. Wir sind uns unserer Verantwortung sehr bewusst. Gleichzeitig stimmen wir uns eng mit dem Jugendamt ab, da unser Mündel ja ein Pflegekind ist. In der Summe ist es so, dass die investierte Zeit schwankt: Mal sind es ein, zwei Stunden, mal auch mehr und in anderen Momenten ist es fast gar nichts. Es lässt sich nicht genau berechnen, aber wir investieren die Zeit gerne, weil es sich lohnt.“

4. Was war für Sie anfangs die größte Herausforderung?

„Für uns gab es anfangs keine großen Herausforderungen, denn wir waren uns unserer Aufgabe bewusst und kannten unser Mündel bereits gut. Die größte Herausforderung war eher, den Übergang von unserer vertrauten Beziehung in die offizielle rechtliche Verantwortung fließend und harmonisch zu gestalten. Es war uns wichtig, dass sich unser Mündel weiterhin sicher und gut aufgehoben fühlt.“

5. Gibt es Begegnungen oder Momente, die Sie besonders geprägt haben?

„Es gab Momente, die uns besonders geprägt haben. So hatten wir einen sehr diskreten Arzttermin, der für unser Mündel enorm wichtig war. Sie fand es toll, dass ich als Pflegeperson, aber eben auch als Vormund, alles direkt vor Ort regeln konnte, ohne große Runden zu drehen. Gerade bei einer sensiblen Angelegenheit war es ihr wichtig, dass nicht unnötig viele Stellen involviert sind. Wir hatten den Eindruck, dass es unser Mündel noch sicherer gemacht hat, denn sie wusste: Die Menschen, die sie begleiten, kennen sie wirklich in- und auswendig. Ein weiterer prägender Moment war unsere große Reise nach Amerika. Auch dort war es so unkompliziert: Ob Visa, Unterschriften oder Formalitäten – alles lief reibungslos. Unser Mündel fühlte sich absolut sicher, selbst in einem anderen Land, weil es wusste, dass wir alles regeln und sie keine Angst haben musste. Wir konnten ihr überall die Sicherheit geben, dass alles geregelt ist.“

6. Warum ist die ehrenamtliche Vormundschaft aus Ihrer Sicht gesellschaftlich wichtig?

„Für mich ist die ehrenamtliche Vormundschaft gesellschaftlich so wichtig, weil sie gerade den Kindern, die keinen einfachen Start hatten zeigt: Du bist gut so, wie du bist – auch wenn dein Weg nicht der Norm entspricht. Es ist die Unterstützung, die deutlich macht, dass jemand da ist – in guten wie in schwierigen Momenten. Vielleicht mal bei einem Gang zur Polizei, vielleicht in einer Situation, in der es nicht Rund läuft. Es geht darum, auch dann präsent zu sein, Sicherheit zu geben und den jungen Menschen zu zeigen, dass man an ihrer Seite steht – egal, was kommt. Und genau dieses Gefühl der Verlässlichkeit hilft ihnen, zu wachsen, an sich zu glauben und zu sehen, dass man auch dann weitergehen kann, wenn es schwer ist.“

7. Was würden Sie jemandem sagen, der überlegt, selbst Vormund zu werden?

„Als Vormund sieht man, welche enormen Chancen die Kinder haben, wenn jemand da ist, der sie unterstützt. Mit einer verlässlichen Begleitung können sie ihre Potenziale entfalten, an sich selbst glauben und ihren Weg gehen, auch wenn es anfangs nicht leicht ist. Diese Chance zu geben, ist ein Geschenk – für das Kind und letztlich auch für die ganze Gesellschaft.“

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1. Können Sie kurz erklären, was eine ehrenamtliche Vormundschaft überhaupt beinhaltet und was das für Sie bedeutet?

„Eine ehrenamtliche Vormundschaft beeinhaltet die gesetzliche Vertretung zu übernehmen, weil die leiblichen Eltern dies nicht können. Dabei werden wichtige Entscheidungen immer im Interesse des Kindes getroffen."

2. Muss man besondere Voraussetzungen oder Fachkenntnisse mitbringen?

„Nein, dass muss man nicht. ABER: Wichtig sind die persönliche Eigenschaften wie: Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft sich für die Interessen des Kindes einzusetzen.
Es bedeutet für mich, viel Verantwortung für das Wohlergehen des Kindes zu übernehmen."

3. Welche Entscheidungen und Aufgaben gehören zu dem Alltag und wieviel Zeit sollte man einplanen?

  • „Regelmäßiger Kontakt mit dem Kind
  • Vertretung in wichtigen rechtlichen Angelegenheiten
  • Austausch mit den Einrichtungen 
  • Teilnahme an Hilfeplangesprächen

Der Zeitaufwand hängt vom Einzelfall ab."

4. Was war für Sie anfangs die größte Herausforderung?

„Ich musste erstmal verstehen, welche Aufgaben ein Vormund übernimmt und wie die Zusammenarbeit mit den Behörden funktioniert. Ich musste lernen, wie man mit Jugendlichen umgeht."

5. Gibt es Begegnungen oder Momente, die Sie besonders geprägt haben?

„Ja, wie wichtig es ist für ein Kind als Bezugsperson da zu sein. Als Bezugsperson habe ich gesehen, wieviel Vertrauen entstehen kann, wenn man sich Zeit nimmt, zuhört und zuverlässig da ist."

6. Warum ist die ehrenamtliche Vormundschaft aus Ihrer Sicht gesellschaftlich wichtig?

„Jedes Kind braucht eine Bezugsperson, wenn es keine Eltern hat. Es bietet ihnen Sicherheit, Unterstützung und die Chance sich trotz schwieriger Lebensumstände gut zu entwickeln."

7. Was würden Sie jemandem sagen, der überlegt, selbst Vormund zu werden?

„Man muss kein Experte sein, aber sich über die Aufgaben und Erfahrungen informieren und mit Menschen sprechen, die bereits Vormünder sind.
Wichtig sind die Bereitschaft und Zuverlässigkeit. Eine Vormundschaft ist eine sehr bereichernde Aufgabe."

Interesse? Wir freuen uns auf deine Anfrage.

Du möchtest mehr erfahren oder kannst dir vorstellen, ehrenamtliche Vormundin oder ehrenamtlicher Vormund zu werden?

Dann nimm gern Kontakt mit uns auf. Wir informieren dich unverbindlich, beantworten deine Fragen und begleiten dich Schritt für Schritt auf dem Weg zur ehrenamtlichen Vormundschaft.

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