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29.05.2026

Mehr Wohnraum fürs Ammerland: Landkreis setzt auf gemeinsame Lösungen

Bezahlbarer und bedarfsgerechter Wohnraum gehört zu den zentralen Zukunftsfragen im Ammerland. Auf Einladung des Landkreises Ammerland kamen rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Immobilien- und Baubranche, Wirtschaft, Wohnungswirtschaft und Planung in den Sitzungssälen des Landkreises in Westerstede zusammen, um über Herausforderungen, Perspektiven und konkrete Lösungsansätze für den regionalen Wohnungsmarkt zu diskutieren.

Landrätin Karin Harms machte bereits zu Beginn der Veranstaltung deutlich, dass die Wohnraumfrage nur gemeinsam beantwortet werden könne. „Das Ammerland wächst seit Jahren kontinuierlich. Damit steigt auch der Bedarf an Wohnraum spürbar. Bereits heute fehlen insbesondere im preisgünstigen und geförderten Segment Wohnungen. Gleichzeitig wissen wir: Mehr Wohnraum entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen allein. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Beteiligten – von Kommunen und Wohnungswirtschaft über Planung und Bau bis hin zu Finanzierungspartnern. Genau dafür wollen wir den Austausch stärken und gemeinsam Lösungen voranbringen“, sagte Harms.

Einen Überblick über die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt gab anschließend Ralf Wessels von der Wohnraumförderstelle des Landkreises Ammerland. Er verwies insbesondere auf den hohen Nachfrageüberhang im preisgünstigen Wohnungssegment sowie den steigenden Bedarf an kleineren Wohnungen. Neubau allein werde die Herausforderungen nicht lösen. Ebenso wichtig sei es, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen und bestehende Potenziale stärker zu aktivieren. „Die Lösung der Wohnraumfrage im Ammerland erfordert mehr Zusammenarbeit und die bessere Nutzung bestehender Potenziale“, unterstrich auch Wessels.

Den Schwerpunkt des Abends setzte Ulrike Petruch, Geschäftsführerin der Ammerländer Wohnungsbau-Gesellschaft mbH. Aus über 30 Jahren Berufserfahrung, davon 13 Jahre in der Region, plädierte sie für neue Ansätze und mehr Zusammenarbeit beim Wohnungsbau. Zunächst warb sie dafür, vorhandene Grundstücke und Gebäude stärker in den Blick zu nehmen und bestehende Potenziale besser zu nutzen. „Wir können nicht immer nur auf neue Flächen warten. Wir haben Grundstücke. Wir müssen sie klüger nutzen“, sagte Petruch. Als konkrete Idee brachte sie eine kommunale Beratungsstelle für Eigentümerinnen und Eigentümer ins Gespräch. Ziel sei es, zusätzliche Wohnraumpotenziale auf bestehenden Grundstücken besser zu erschließen und Menschen bei Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Immobilien zu begleiten.

Anschließend richtete Petruch den Blick auf die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure. „Wir haben uns im Ammerland zu sehr daran gewöhnt, nebeneinander herzuarbeiten“, sagte Petruch.
Anhand konkreter Beispiele – unter anderem gemeinsamer Projekte mit dem Deutschen Roten Kreuz, der Kreisvolkshochschule sowie dem „Patchwork-Hus“ in Westerstede – machte sie deutlich, wie Kooperationen erfolgreich gelingen können. „Das sind keine Hochglanzprojekte für den Jahresbericht. Das sind Beweise dafür, dass Zusammenarbeit funktioniert, wenn alle Beteiligten wirklich wollen“, betonte Petruch.

Zugleich machte sie deutlich, dass bezahlbarer Wohnraum weit über soziale Aspekte hinausreiche.
„Ein Ammerland, in dem die Pflegefachkraft keine Wohnung findet, hat bald keine Pflegefachkraft mehr. Ein Ammerland, in dem der Handwerker wegzieht, weil er hier nichts Bezahlbares findet, hat bald ein Handwerkerproblem. Ein Ammerland, in dem junge Familien die Region verlassen, weil sie sich das Wohnen schlicht nicht leisten können, hat in zehn Jahren ein Strukturproblem“, sagte Petruch. „Das ist kein Sozialprojekt. Das ist Standortpolitik.““

Im anschließenden Get-together nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum direkten Austausch über konkrete Projekte, Ideen und Kooperationsmöglichkeiten. Die Veranstaltung machte deutlich: Mehr Wohnraum entsteht nicht durch einzelne Akteure allein – gefragt sind gemeinsame Lösungen, verlässliche Partnerschaften und neue Wege der Zusammenarbeit. Genau hier will der Landkreis Ammer-land den Dialog weiter stärken.