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04.12.2025

Modernisierer mit Ausdauer - Thomas Kappelmann verabschiedet sich aus dem aktiven Dienst

Der Kreistag des Landkreises Ammerland hat den Ersten Kreisrat Thomas Kappelmann in den Ruhestand verabschiedet. Nach fast 30 Jahren in leitender Funktion, davon 16 Jahre als Erster Kreisrat, endet damit eine außergewöhnlich erfolgreiche Laufbahn im Dienst des Landkreises – und mit ihr eine Ära im Kreishaus.

Vom Sozialamt zum Ersten Kreisrat
Thomas Kappelmann trat 1989 in die Verwaltung des Landkreises Ammerland ein. Nach ersten Stationen im Sozialamt sowie im Amt für Abfall- und Wasserwirtschaft übernahm er 1998 die Leitung des Abfallwirtschaftsbetriebs. Parallel dazu absolvierte er bis 2001 ein berufsbegleitendes Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Abschluss Diplom-Volkswirt. In dieser Zeit führte er zudem interimsweise die Geschäfte des Rettungsdienstes. 2004 wurde ihm die Leitung des Amtes für Finanzwesen übertragen, zwei Jahre später das Amt des Kreiskämmerers. 2010 wählte ihn der Kreistag zum Ersten Kreisrat und bestätigte ihn 2018 in dieser Position. Als Leiter des Dezernats II verantwortete Kappelmann die Bereiche Haushalt und Finanzen, Verkehr, Beteiligungen sowie die Eigenbetriebe Abfallwirtschaft und Immobilienbetreuung.

Finanzpolitik mit Weitblick
Landrätin Karin Harms würdigte Kappelmanns Gespür für Zahlen, Zusammenhänge und haushaltspolitische Weitsicht: „In deiner Amtszeit als Kämmerer hat sich das Haushaltsvolumen des Landkreises von 136 auf 314 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Und trotzdem ist es gelungen, die Schulden im Kreishaushalt um rund 75 Prozent deutlich – von 32,5 auf 8,3 Millionen Euro – zu senken. Auch die bilanziellen Vermögenswerte haben sich in dieser Zeit verdoppelt.“ Ein besonderer Indikator für seine umsichtige Finanzpolitik sei die Entwicklung der Kreisumlage: „Seit 2010 liegt sie im Ammerland auf konstant niedrigem Niveau – einem der niedrigsten in ganz Niedersachsen. Das gelang nicht immer ohne Diskussionen, zeigt aber deinen Anspruch, kommunale Spielräume zu sichern, ohne die Gemeinden unnötig zu belasten. Umso bedauerlicher, dass wir in den letzten Jahren dennoch unter Druck geraten sind – nicht, weil du deine Hausaufgaben vernachlässigt hättest, sondern weil Land und Bund ihre nicht erledigt haben.“

Große Investitionen in Zukunftsaufgaben
In Kappelmanns Amtszeit wurden beim Landkreis und im Eigenbetrieb Immobilienbetreuung Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 432 Millionen Euro umgesetzt. Breitbandausbau, Wirtschaftsförderung, Kita-Förderung, Natur- und Landschaftsschutz sowie große Verkehrsprojekte – etwa die Küstenkanalbrücke in Jeddeloh II – und zahlreiche Straßensanierungen. „Ich bin mir sicher: Du bist der einzige Mensch im Landkreis, der wirklich beziffern kann, was ein Kilometer Straße wert ist“, hieß es anerkennend bei der Verabschiedung.

Ein Meilenstein in Kappelmanns Amtszeit war die Kooperation zwischen dem Bundeswehrkrankenhaus und der Ammerland-Klinik. 2001 initiiert und 2008 mit dem Bezug der neuen Bundeswehrklinik vollendet, versorgen beide Einrichtungen seither gemeinsam Patientinnen und Patienten. Die enge Zusammenarbeit legte den Grundstein für eine moderne medizinische Infrastruktur – bis hin zum aktuellen Großprojekt, dem Neubau der Ammerland-Klinik mit 233 Millionen Euro Investitions¬volumen.

Auch im Immobilienbereich setzte Kappelmann deutliche Akzente: Ein Kreishausflügel wurde aufgestockt, auf dem BBS-Gelände entstanden Neubauten und Erweiterungen – darunter Trakt 10 und Trakt 6, der während der Corona-Pandemie als Impfzentrum diente. Hinzu kamen das Bildungs- und Beratungszentrum Westerstede, das Behördenzentrum für Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt zusammen mit dem Jobcenter unter einem Dach, das gemeinsame Verwaltungsgebäude für Gesundheitsamt und Bundeswehrverwaltung sowie neue Parkhäuser.

Für den Eigenbetrieb Immobilienbetreuung verantwortete Kappelmann zudem bedeutende Neubauten: die Rettungswache Rastede, das Verwaltungsgebäude des Rettungsdienstes in Westerstede mit erweiterter Fahrzeughalle, das Frauen- und Kinderschutzhaus, den Betriebskindergarten sowie die Personalwohnheime auf dem Gelände der Ammerland-Klinik, die Erweiterung der Rettungswache Bad Zwischenahn und den Ausbau des Hospizes.

Klimaschutz und modernes Rechnungswesen
Früh setzte Kappelmann bei allem auf Klimaschutz: Bereits 2007 initiierte er den ersten Energiebericht, später das Klimaschutz- und Energiekonzept. Projekte wie die E-Fit-Kampagne, die Umrüstung auf LED-Technik, die Optimierung der Gebäudetechnik, die Umstellung des Fuhrparks auf emissionsärmere Fahrzeuge oder der Ausbau der Photovoltaik wirken bis heute.

„Und schließlich hast du mit deinem Team das Rechnungswesen des Landkreises fit für die Zukunft gemacht“, lobte Harms. „Der Wechsel von der Kameralistik zur Doppik im Jahr 2008 glich einem krassen Sportartenwechsel – von Yoga auf Marathon. Mit Ausdauer, Disziplin und dem einen oder anderen Schweißtropfen ist es gelungen, das neue System erfolgreich zu etablieren – ein Kraftakt, der sich langfristig auszahlt.“

Zum Abschluss bedankte sich Landrätin Harms für das jahrzehntelange Wirken: „Lieber Thomas, du bist ein Visionär, aber einer mit Taschenrechner in der Hand. Mit Fachwissen, Weitblick und klaren Vorstellungen hast du die Entwicklung unseres Landkreises entscheidend geprägt. Ich freue mich, dass du das große Klinikbauprojekt im Auftrag der Ammerland-Klinik auch im Ruhestand weiterbegleitest und dem DRK-Kreisverband als Vorsitzender zunächst erhalten bleibst. Deine ruhige, verbindliche Art, dein klarer Blick für das Machbare und deine Integrität haben dich weit über das Kreishaus hinaus zu einem geschätzten Gesprächspartner gemacht – und für mich persönlich warst du stets ein unersetzlicher Ansprechpartner. Dafür sage ich dir von Herzen: Danke.“

Kappelmanns Nachfolger als Erster Kreisrat und Kämmerer ist Ralf Denker, der seit mehr als einem Jahrzehnt das Dezernat I (Büro der Landrätin, Inneres, Schulen, Kultur, Sport, Wirtschaft) leitet.