Teamarbeit Integration zehn Jahre nach „Wir schaffen das“ – das Ammerland zeigt, wie es geht
Zehn Jahre nach Angela Merkels Satz „Wir schaffen das“ zeigt der Landkreis Ammerland, wie Integration im Alltag gelingen kann – mit Weitblick, Verantwortungsgefühl, klaren Strukturen und tragfähigen Netzwerken. Im Rahmen eines Pressegesprächs wurden Beispiele vorgestellt, die von Sprach- und Lernförderung über Jobchancen bis hin zur Einbürgerung reichen. Im Mittelpunkt standen Menschen, deren Lebenswege deutlich machen, was möglich ist, wenn Integration als gemeinsame Aufgabe verstanden wird.
Gleich zu Beginn machte Sozialdezernent Ingo Rabe deutlich, dass Integration „nicht auf dem Papier, sondern dort gelingt, wo Menschen sich begegnen, Verantwortung übernehmen – und gemeinsam neue Wege gehen“. Er erinnerte daran, dass der Landkreis mit dem Konzept „Koordination von Migration und Teilhabe“ schon vor 2015 die Weichen gestellt habe, als die Zahl der Schutzsuchenden deutlich anstieg. Regelmäßige Integrationsberichte und das kommunale Integrationsmonitoring böten heute „eine verlässliche Grundlage, um Entwicklungen im Blick zu behalten und unsere Angebote gezielt weiterzuentwickeln“.
Wie wichtig Bildung dabei ist, unterstrich Winfried Krüger, Geschäftsführer der kvhs gGmbH. Er eröffnete seinen Beitrag mit Videoporträts von Zugewanderten, die durch Sprachkurse und Programme wie „Zukunftspflege“ oder „KoLA“ gefördert wurden – Geschichten, die zeigen, wie kommunale Bildungsangebote individuelle Chancen eröffnen. Bereits im Elementarbereich unterstützt die kvhs über die Koordinierungsstelle Sprachbildung Kitas und Krippen, ergänzt durch „Griffbereit-Gruppen“ für Mütter und Kleinkinder. In den Schulen setzen KoLA und KoLAplus gezielt auf Sprachförderung für Kinder aus zugewanderten Familien. „Sprachbildung ist der Schlüssel zu Bildungserfolg – und damit zu Teilhabe und Integration“, betonte Krüger. Dass das Ammerland bei Schulabschlüssen von Kindern mit Migrationshintergrund landesweit vorn liegt, sei sichtbarer Beweis für den Erfolg dieser Arbeit.
Auch der Arbeitsmarkt liefert klare Signale: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis stieg von rund 39 300 im Dezember 2015 auf 45 260 im Jahr 2020 und erreichte Ende 2024 schließlich 47 650. Besonders deutlich zeigt sich dabei der wachsende Anteil ausländischer Staatsangehöriger: von 4,4 Prozent (2015) über 8,5 Prozent (2020) bis zu 11,2 Prozent (2024). „Diese Zahlen zeigen, wie wichtig zugewanderte Fach- und Arbeitskräfte heute für unseren regionalen Arbeitsmarkt sind“, so Günter Siebels, Leiter des kommunalen Jobcenters. Integration gelinge eben nicht abstrakt, sondern „ganz konkret dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Biografien gemeinsam arbeiten, Verantwortung übernehmen und gebraucht werden“.
Dass Einbürgerung mehr ist als ein Verwaltungsakt, machte Kosima Leonhard, Leiterin des Ordnungsamts, deutlich: „Einbürgerung ist mehr als ein Pass – sie ist Ausdruck von Zugehörigkeit.“ Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts im Juni 2024 seien die Verfahren spürbar erleichtert worden, unter anderem durch verkürzte Aufenthaltszeiten und die Möglichkeit der doppelten Staatsangehörigkeit. Das zeigt Wirkung: 2019 gab es 162 Anträge, 2024 bereits 458. Bis Juli 2025 gingen 230 neue Anträge ein, 285 Personen wurden eingebürgert. Ein Höhepunkt war die Einbürgerungsfeier am 30. Juni 2025 mit 45 neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern.
Für Julia Thieme, Leiterin der Koordinierungsstelle für Migration und Demografie, ist klar: „Integration darf kein Zufallsprodukt sein. Sie braucht Koordination, Netzwerke – und eine Haltung, die Vielfalt als Stärke versteht.“
Am Ende der Gesprächsrunde stand die gemeinsame Erkenntnis: Integration ist Teamarbeit. Sie gelingt, wenn Verwaltung, Bildung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen – und wenn kommunale Strukturen Orientierung geben, ohne die Potenziale der Vielfalt zu begrenzen.