Verwaltungsbericht der Landrätin für den Kreistag am 19. März 2026
Wie gewohnt beginne ich meinen Bericht mit einer erfreulichen Nachricht: Der Niedersächsische Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi hat der Ammerland-Klinik Anfang Februar einen weiteren Förderbescheid in Höhe von 25 Millionen Euro für den geplanten Klinikneubau überreicht. Insgesamt unterstützt das Land Niedersachsen das Gesamtprojekt mit 130 Millionen Euro und setzt damit ein deutliches Zeichen für die langfristige Sicherung der medizinischen Versorgung im Ammerland und in der Region. Durch den Neubau wird das Klinikzentrum Westerstede zu einem modernen Gesundheitsquartier weiterentwickelt und die Versorgungsqualität nachhaltig gestärkt. Die Bauarbeiten verlaufen planmäßig; derzeit werden umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt. Mit der Inbetriebnahme des Neubaus wird im Jahr 2029 gerechnet. Ein weiterer Meilenstein für den Klinikstandort ist die Erhöhung der Anzahl der Planbetten von 375 auf 404. Die Entscheidung für diese Aufstockung unterstreicht die wachsende Bedeutung der Ammerland-Klinik innerhalb der regionalen Versorgungsstruktur. Auch im bestehenden Klinikgebäude werden Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt, um die Leistungsfähigkeit des Standortes weiter auszubauen.
Innerhalb der Kreisverwaltung wurden wichtige Weichen für die weitere Arbeit gestellt. Anlass dafür war der Eintritt von Thomas Kappelmann und Ingo Rabe in den Ruhestand. Zur Behördenleitung gehören neben mir der Erste Kreisrat Ralf Denker, die Dezernentin Dagmar Flohr sowie die Dezernenten Dr. Thomas Jürgens und Torsten Niebisch.
Über die organisatorischen Veränderungen hinaus lohnt sich auch ein Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis, insbesondere auf die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt: Im Februar waren im Landkreis Ammerland 3 245 Menschen arbeitslos gemeldet – 48 weniger als im Januar und 14 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 4,6 Prozent und damit geringfügig unter dem Wert des Vormonats (4,7 Prozent). Zum Vergleich: Im Februar des Vorjahres lag die Quote ebenfalls bei 4,6 Prozent. Ein weiterer positiver Indikator ist die Entwicklung der Beschäftigung: Erstmals sind im Landkreis über 49 000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 34 023 in Vollzeit und 15 009 in Teilzeit. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt stabil: Aktuell sind im Landkreis 1 349 unbesetzte Arbeitsstellen gemeldet; das sind 156 mehr als im Februar des Vorjahres. Im bundesweiten Vergleich zeigt sich damit wieder eine vergleichsweise robuste Arbeitsmarktsituation im Ammerland.
Parallel dazu arbeitet auch das Jobcenter weiter an der Modernisierung seiner Abläufe und führt derzeit eine neue Fachsoftware ein. Mit erweiterten Funktionalitäten – insbesondere der elektronischen Akte – sollen Arbeitsabläufe deutlich verbessert werden. Ziel ist es, die Prozesse im Zusammenhang mit der Auszahlung des Bürgergeldes im Jobcenter sowie in den Gemeinden und der Stadt Westerstede effizienter, transparenter und medienbruchfrei zu gestalten. Die elektronische Akte ermöglicht eine schnellere Bearbeitung, erleichtert den Informationsaustausch zwischen den beteiligten Stellen und reduziert papiergebundene Vorgänge. Darüber hinaus stärken die neuen digitalen Funktionen die interne Zusammenarbeit und tragen zu einem verlässlichen Service für Bürgerinnen und Bürger bei.
Wir bleiben beim Thema Digitalisierung: Die Lenkungsgruppe Digitalstrategie hat Ende Januar rund 40 Führungskräften sowie Digitallotsinnen und Digitallotsen den gemeinsam erarbeiteten Digitalkompass vorgestellt. Unter dem Leitmotiv „Digital gestalten, menschlich handeln“ bündelt die Handreichung zentrale Handlungsfelder – von der digitalen Verwaltung über Infrastruktur und Technologie bis hin zu Innovation und Daten – und formuliert konkrete Ziele und Maßnahmen. Der Digitalkompass schafft damit Orientierung und gemeinsame Strukturierung für die einheitliche Digitalisierung der Kreisverwaltung.
Wie digitale Lösungen auch über die Verwaltung hinaus wirken können, zeigt ein neues Tourismusprojekt in Bad Zwischenahn. Der Landkreis Ammerland unterstützt gemeinsam mit seinen Partnerlandkreisen der Zukunftsregion4Klima die Entwicklung eines digitalen Marktplatzes. Für eine Machbarkeitsstudie der anvisierten Online-Plattform wurde ein Förderbescheid über 35.000 Euro übergeben. Ziel ist eine zentrale App, die touristische und lokale Angebote bündelt – angefangen von Unterkünften und Gastronomie bis hin zu Veranstaltungen und Freizeitangeboten. Insgesamt stehen für die Studie 50.000 Euro zur Verfügung, die sich aus Landesmitteln, dem kommunalen Zukunftsfonds sowie Eigenmitteln der Projektpartner zusammensetzen.
Während digitale Lösungen neue Möglichkeiten eröffnen, bleibt zugleich die Stärkung klassischer Handlungsfelder wichtig. Ein Beispiel dafür ist der Bevölkerungsschutz. Der Landkreis Ammerland richtet diesen im Hinblick auf die Eigenvorsorge der Bevölkerung und die Verbesserung der Handlungsfähigkeit im Ernstfall gemeinsam mit den Gemeinden und der Stadt Westerstede neu aus. Mit der Informationskampagne „Unabhängig im Notfall“ werden Bürgerinnen und Bürger über Vorsorge und Verhalten in Krisensituationen informiert. Ergänzend wurden neue Informationsseiten zum Bevölkerungsschutz auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht.
Neben der Vorsorge für Krisensituationen spielt auch Prävention im Alltag eine wichtige Rolle; zunehmend auch der sichere und verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien. Vor diesem Hintergrund wird die Online-Vortragsreihe „Alles OK im WWW?“ im Jahr 2026 fortgesetzt. Darauf verständigten sich der Kreispräventionsrat Ammerland und der Präventionsrat Oldenburg bei einem Pressetermin. Die Reihe soll die Medienkompetenz in Familien stärken und richtet sich sowohl an Eltern als auch an Fachkräfte. Bereits 2025 wurden mit diesem Format fast 1 000 Teilnehmende erreicht. Die kostenfreien Online-Veranstaltungen finden in der Regel monatlich statt und bieten fortlaufend praxisnahe Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien.
Dass Prävention im Landkreis Ammerland früh ansetzt und Familien von Beginn an begleitet, bewies auch die Infomesse „Familie werden – Familie sein“, die am 28. Februar 2026 erstmals in der KVHS Westerstede stattfand. Zahlreiche werdende Eltern und junge Familien nutzten die Gelegenheit, sich über Unterstützungsangebote rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben zu informieren sowie Kontakte zu knüpfen. Besonders der persönliche Austausch mit den beteiligten Netzwerkpartnerinnen und -partnern wurde sehr gut genutzt. Die Veranstaltung hat erneut gezeigt, wie intensiv frühzeitige Information, Beratung und Vernetzung von Familien im Landkreis Ammerland gewünscht und angenommen wird.
Wie wichtig verlässliche Unterstützung auch in schwierigen Lebenssituationen ist, wurde gestern in der Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen des Sorgen- und Krisentelefons im Landkreis Ammerland deutlich. Seit 2001 finden Bürgerinnen und Bürger dort anonym, kostenfrei und ohne Hürden ein offenes Ohr für Sorgen und persönliche Krisen. Besonders beeindruckt mich das große Engagement der ehrenamtlich Tätigen, die seit einem Vierteljahrhundert Zeit, Empathie und Fachlichkeit einbringen. Dafür habe ich ihnen meinen herzlichen Dank ausgesprochen. Ihr Einsatz macht das Sorgen- und Krisentelefon zu einer wichtigen und verlässlichen Anlaufstelle für Menschen in unserem Landkreis.
Zum Abschluss meines Verwaltungsberichts möchte ich Sie – wie gewohnt – noch über einige Beschlüsse aus dem Kreisausschuss informieren.
Im Rahmen des Sportförderungsprogramms 2026 hat der Landkreis Ammerland Fördermittel in Höhe von über 110.000 Euro bewilligt. Unterstützt werden damit sieben Maßnahmen von Sportvereinen sowie kreisangehörigen Kommunen – unter anderem die Umrüstung von Flutlichtanlagen auf LED-Technik, der Bau eines Soccercourts in der Gemeinde Apen, die Errichtung von Ballfangzäunen beim TuS Ekern sowie Sanierungsmaßnahmen an Sportstätten in Bokel und Wiefelstede. Auch der Zwischenahner Segelklub erhält Unterstüt-zung und kann damit die Erneuerung des Hauptstegs verwirklichen.
Neben dem Sport bleibt auch die kulturelle Vielfalt im Landkreis ein wichtiger Förderbereich. Für Kulturveranstaltungen wie Theater, Lesungen und Konzerte stellt der Landkreis im Jahr 2026 über 84.000 Euro bereit. Darüber hinaus wird der Verein für Heimatpflege Bad Zwischenahn bei der Instandsetzung des Bootsschelfs im Freilichtmuseum mit fast 3.360 Euro unterstützt.
Ein weiteres Thema mit langfristiger Bedeutung für Familien und Kommunen ist der Ausbau der Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter. Ab dem 1. August 2026 tritt bundesweit der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für diese Altersgruppe in Kraft. Das bedeutet: Kinder, die ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult werden, haben vom Schuleintritt bis zum Beginn der fünften Klassenstufe an allen Werktagen Anspruch auf Betreuung im Umfang von bis zu acht Stunden täglich. Während der Schulzeit gilt dieser Anspruch automatisch als erfüllt; für die Ferienzeiten – mit Ausnahme einer möglichen Schließzeit von bis zu vier Wochen – muss die Betreuung durch den öffentlichen Träger der Jugendhilfe sichergestellt werden. Für das Schuljahr 2026/2027 rechnet der Landkreis Ammerland mit Kosten von fast 1,6 Mio. Euro. In den darauffolgenden Schuljahren kommen jeweils die neu eingeschulten Kinder der ersten Klassen hinzu; für das Haushaltsjahr 2027 werden daher bereits Kosten von etwa zwei Mio. Euro erwartet. Die Kostenschätzung bezieht sich derzeit ausschließlich auf Regelschulen. Für Förderschulen und Schulbegleitungen liegen aufgrund noch offener landesseitiger Regelungen bislang keine belastbaren Kalkulationsgrundlagen vor und sind daher in den Kostenschätzungen nicht enthalten.
Die vom Land bereitgestellten Mittel sind dabei nicht auskömmlich; sie werden vollständig an die Gemeinden und die Stadt Westerstede weitergeleitet. Die darüber hinaus entstehenden Kosten verbleiben beim Landkreis. Vorbehaltlich der heutigen Zustimmung des Kreistages sollen für die Ferienbetreuung Kostenbeiträge von acht Euro je Betreuungstag sowie fünf Euro für die warme Mittagsverpflegung erhoben werden. Ermäßigungen für einkommensschwache Haushalte und Geschwisterkinder sind vorgesehen.
Und nach so viel Organisation und Zahlen darf es zum Abschluss ruhig noch einmal etwas bewegter werden – im wahrsten Sinne des Wortes: Vom 3. bis 23. Mai 2026 beteiligt sich der Landkreis Ammerland erneut an der Klimaschutzkampagne STADTRADELN – erstmals gemeinsam mit den Nachbarlandkreisen Leer, Aurich, Wittmund und Friesland. Alle sechs Kommunen unseres Landkreises sind wieder dabei und sammeln möglichst viele Fahrradkilometer für Klimaschutz, Gesundheit und Lebensqualität. Gerade im Mai zeigt sich unsere Garten- und Parklandschaft von ihrer schönsten Seite, wenn die Rhododendren blühen und viele Wege zu kleinen Entdeckungsfahrten einladen. Ich würde mich sehr freuen, wenn möglichst viele Ammerländerinnen und Ammerländer mitmachen – denn jeder geradelte Kilometer ist ein kleiner Beitrag für unsere Umwelt und ein großes Zeichen für eine lebenswerte Zukunft im Ammerland.
Damit komme ich zum Ende meines Verwaltungsberichts. Ich wünsche uns allen einen Frühling ohne neue politische Hiobsbotschaften – und stattdessen viele kleine, optimistisch stimmende Hoffnungsschimmer. Und auch wenn das Wetter uns derzeit noch eher kühl begegnet: Die ersten Zeichen des Frühlings sind da. Machen wir etwas daraus!
Autor/in: Anja Küllig, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, E-Mail oeffentlichkeitsarbeit@ammerland.de