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25.09.2025

Verwaltungsbericht der Landrätin zum Kreistag am 25. September 2025

Auch dieser Verwaltungsbericht beginnt wieder mit einer erfreulichen Nachricht: Mit dem ersten Spatenstich für das Gesundheitsquartier Ammerland 2030 wurde Anfang August in Anwesenheit von Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi offiziell eines der größten Bauprojekte in der Geschichte des Landkreises gestartet. Bis 2029 entsteht auf dem Gelände der Ammerland-Klinik ein hochmodernes Zentrum für Medizin, Pflege und Notfallversorgung – mit kurzen Wegen, modernster Technik und attraktiven Arbeitsbedingungen. Das Projekt steht nicht nur für medizinischen Fortschritt, sondern auch für ein klares kommunalpolitisches Signal: Gesundheit gehört in öffentliche Hand – als verlässliche Daseinsvorsorge, wohnortnah, zukunftsfähig und für alle erreichbar.

Ein sichtbarer Schritt ist bereits getan: Das neue Parkdeck mit 332 Stellplätzen am Haupteingang ersetzt die weggefallenen Parkmöglichkeiten an der Langen Straße und steht seit Mitte Juli den Besucherinnen und Besuchern der Ammerland-Klinik zur Verfügung. Die Gebühren können sowohl digital per Smartphone als auch an Automaten mit Karte oder Bargeld entrichtet werden.

Dass ein Projekt dieser Größenordnung – mit einem Investitionsvolumen von 233 Millionen Euro – gelingen kann, setzt handlungsfähige Kommunen voraus. Diese Handlungsfähigkeit wird jedoch zunehmend durch überbordende Bürokratie gefährdet. Auf Wunsch des Niedersächsischen Landkreistages habe ich deshalb die Position der kommunalen Spitzenverbände aufgegriffen und in einem Interview mit der Nordwest-Zeitung verdeutlicht: Die wachsende Regelungsdichte lähmt die Arbeit der Kommunen. Im Kern geht es um eine „Bürokratie-Nullrunde“ – keine neuen Pflichten ohne gleichzeitigen Abbau bestehender Vorgaben, klare Zuständigkeiten und Lösungen, die sich im Alltag bewähren und mehr Vertrauen in die kommunale Praxis. Einen Hinweis auf die unzureichende Finanzierungausstattung spare ich mir, obwohl es auch zu diesem Thema einiges zu berichten gäbe.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt sich die Bedeutung starker Kommunen: Bundesweit stieg die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit 2015 wieder über 6,4 Prozent, der Landeswert liegt bei 6,2 Prozent. Im Ammerland dagegen sank die Quote im August auf 4,0 Prozent – nach 4,1 im Juli und 4,3 im Vorjahr. Insgesamt waren 2 835 Menschen arbeitslos gemeldet, 88 weniger als im Juli. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt stabil: Derzeit sind 1 310 offene Stellen registriert. Zum Stichtag Dezember 2024 hatten 5 357 der insgesamt 47 646 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit – 549 mehr als im Vorjahr. Ihr Anteil stieg damit auf 11,2 Prozent (2020: 8,5 %).
Auch die Integration ukrainischer Mitbürgerinnen und Mitbürger macht Fortschritte: Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Jobcenter sank von 577 im Juni 2024 auf 455 im Juni 2025.

In Edewecht fand Ende August erstmals eine Jobmesse statt. Unter dem Flexzelt vor dem Rathaus präsentierten zahlreiche regionale Betriebe ihre Ausbildungs- und Arbeitsangebote. Das vom Jobcenter Ammerland und der Gemeinde Edewecht organisierte Format brachte Unternehmen und Arbeitssuchende direkt zusammen. Die große Resonanz zeigt den hohen Stellenwert praxisnaher Vermittlung im Ammerland.

Berufliche Chancen sind ein Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe – und diese zeigt sich wiederum in besonderer Weise bei der Einbürgerung. Ganz konkret wurde dies bei der Einbürgerungsfeier im Kreishaus sichtbar: 45 Menschen aus 13 Nationen haben die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Sie haben damit Ja zu ihrer neuen Heimat und damit auch zu uns gesagt – und wir zu ihnen. Im ersten Halbjahr 2025 konnten wir insgesamt 258 Einbürgerungen feiern.

Teilhabe zeigt sich nicht nur bei der Einbürgerung, sondern auch im Alltag. Dazu gehört künftig die Bezahlkarte für Asylbewerberinnen und Asylbewerber. Alle über 18-Jährigen erhalten eine eigene guthabenbasierte Debitkarte im Visa-Verbund. Die Beträge können ausschließlich in Deutschland genutzt werden, zusätzlich sind monatlich 50 Euro Bargeld pro Person vorgesehen. Im Landkreis Ammerland werden rund 200 Leistungsbeziehende sukzessive umgestellt; bis Ende 2025 soll das System vollständig eingeführt sein.

Mit dem dritten Forum Jugendarbeit haben wir Anfang September ein starkes Signal gegen rechtsextreme Narrative gesetzt. Gemeinsam mit Schulen, Vereinen und weiteren Partnerinnen und Partnern diskutierten wir Strategien, um Jugendliche zu stärken und Radikalisierung vorzubeugen. Die hohe Resonanz zeigt, dass es hier einen großen Bedarf gibt – aber auch, dass wir im Ammerland über funktionierende Netzwerke verfügen. Das Forum ist ein Beispiel dafür, wie Prävention in Zusammenarbeit aller gelingt.

Seit Mitte August 2025 hat die neue Förderschule in Rastede mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung ihre Türen geöffnet. Damit erweitert der Landkreis Ammerland sein Bildungsangebot um eine wichtige Einrichtung für individuelle Förderung und persönliche Stärkung.

Neue Impulse für die Bildung, kräftiges Signal fürs Dorfleben: Eggeloge trat beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft 2025“ stark auf und scheiterte nur knapp am Einzug in den Bundesentscheid. Bei der Jury-Bereisung Mitte August überzeugte das Dorf mit Zusammenhalt, gepflegtem Ortsbild und vielseitiger Infrastruktur. Auch wenn es für Eggeloge diesmal noch nicht in die nächste Runde gegangen ist, bleibt die Teilnahme ein großer Erfolg und eine wertvolle Anerkennung für die engagierte Dorfgemeinschaft.

Auch im Bereich Nachhaltigkeit konnten positive Akzente gesetzt werden: Das STADTRADELN 2025 war ein voller Erfolg. Mit 3 081 Teilnehmenden in 157 Teams und insgesamt 554 323 geradelten Kilometern stellte das Ammerland einen neuen Rekord auf. Rastede sicherte sich erneut das „Gelbe Trikot“, gefolgt von Westerstede und Bad Zwischenahn. Damit haben die Radlerinnen und Radler im Landkreis nicht nur sportliche Ausdauer bewiesen, sondern auch einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz geleistet: Durch die gefahrenen Kilometer konnten rund 90 Tonnen CO₂ eingespart werden.

Die beeindruckenden Ergebnisse des STADTRADELNS zeigen: Radfahren hat im Ammerland Rückenwind. Damit dieser Schwung nicht aufhört, investieren wir gezielt in die Radverkehrsinfrastruktur: So wurde an der Kreisstraße 346 beim Gristeder Hof mit einer neuen, barrierefreien Fußgängerampel die erste Maßnahme aus dem integrierten Radverkehrskonzept umgesetzt. In Westerstede folgten im Zuge der Sanierung der Langen Straße die ersten Radfahrpiktogramme auf einem Kilometer Länge – ermöglicht durch einen Landeserlass. Zudem wurde die neue Zufahrt zur Ammerland-Klinik fertiggestellt und die Vollsperrung aufgehoben. An der unfallbelasteten Kreuzung Borbecker Landstraße/Borbecker Weg/Bremer Straße sorgt seit Ende Juni eine neue Lichtsignalanlage mit LED-Technik und barrierefreien Querungen für mehr Sicherheit.

Von sicheren Straßen zu nachhaltigen Gebäuden: Für die Erneuerung der Heizungsanlage im Kreishaus wurde ein Planungsbüro beauftragt. Die Ausschreibung soll Ende 2025 erfolgen, sodass die Installation eines Gasbrennwertkessels in Kombination mit einer Luftwärmepumpe im Frühjahr 2026 beginnen kann. Damit werden die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes frühzeitig berücksichtigt und wir hoffen, dass die alte Heizungsanlage bis dahin durchhält. An den BBS Ammerland wurde in den vergangenen Sommerferien Trakt 9 abgerissen, ebenso die alte Beratungsstelle. Containerlösungen sichern den Betrieb, der Bauantrag für den Neubau liegt vor.

Wie immer möchte ich Sie zum Abschluss des Verwaltungsberichts über Beschlüsse aus dem Kreisausschuss informieren:

Der Gedenkkreis Wehnen e. V. erhält 2.000 Euro für die Ausrichtung einer wissenschaftlichen Tagung zur NS-„Euthanasie“ sowie für die Herausgabe eines Tagungsbandes. Die Veranstaltung findet vom 7. bis 9. November 2025 in Kooperation mit der Karl-Jaspers-Klinik statt.

Für das Schulprojekt „Courage zeigen – Film ab!“ des Bahnhofsvereins stellt der Landkreis 1.200 Euro bereit. Mit dem Kurzfilmwettbewerb werden junge Menschen im Ammerland in ihrer Medienkompetenz gestärkt und hier insbesondere zur Auseinandersetzung mit dem Thema Courage angeregt

Im Haushaltsjahr 2026 stehen für die allgemeine Kulturförderung 115.000 Euro zur Verfügung. Aus dem Sportförderungsprogramm 2025 werden Zuschüsse in Höhe von insgesamt 249.050 Euro an Vereine im Landkreis gewährt.

Und noch einige Mitteilungen in eigener Sache: Der jüngste Blutspendetermin hat einmal mehr gezeigt, wie groß die Hilfsbereitschaft in unserer Behördenfamilie ist: 90 Spenderinnen und Spender kamen zum helfenden „Aderlass“– darunter zehn, die sich zum ersten Mal beteiligten. Zusammen ergaben die Blutspenden rund 50 Liter, die im Notfall Leben retten können. Das ist nicht nur eine beeindruckende Zahl, sondern auch ein starkes Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt quer durch alle Bereiche der Verwaltung. Allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön!

Unser WhatsApp-Kanal feiert seinen ersten Geburtstag: Seit zwölf Monaten informieren wir zweimal pro Woche über Aktuelles aus dem Landkreis – inzwischen schon für rund 2 000 Abonnentinnen und Abonnenten. Mein Tipp: Wer noch nicht dabei ist, kann unter www.ammerland.de/whatsapp ganz einfach abonnieren und die Glocke aktivieren– dann verpassen Sie nichts!

Noch bis Ende der Woche ist im Kreishaus Westerstede die Ausstellung zum 50 jährigen Bestehen der Oldenburgischen Landschaft zu sehen. Vom 10. bis 31. Oktober folgt die Fotoausstellung „Farben der Gesellschaft“ von İlker Maga. Die eindrucksvollen Porträts des international bekannten Fotografen zeigen Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Wurzeln, Lebenswegen und Geschichten. Eröffnet wird die Ausstellung am 15. Oktober um 17:30 Uhr mit einer Einführung durch den früheren Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär Thomas Kossendey.

Dieser Verwaltungsbericht hat mit einem offiziellen Spatenstich begonnen – und soll nun auch mit einem Spatenstich enden, und zwar mit einem augenzwinkernden als Beitrag zum Klimaschutz. Mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Sozialamt und meiner „Wenigkeit“ haben wir im Rahmen der Baumpflanz-Challenge den Spaten geschwungen und eine Wildkirsche vor dem Kreishaus gepflanzt. Vielleicht lassen Sie sich ja von dieser Challenge anstecken und pflanzen in diesem Herbst auch noch den einen oder anderen Baum? Genießen Sie den schönen Spätsommer!