Verwaltungsbericht der Landrätin zum Kreistag am 3. Dezember 2025
Auch diesen Verwaltungsbericht möchte ich mit einer positiven Botschaft beginnen:
Trotz der aktuell angespannten Tierseuchenlage ist das Ammerland bislang von Ausbrüchen der Geflügelpest verschont geblieben. Gründe sind die geringere Geflügeldichte im Vergleich zu Cloppenburg und – in diesem Herbst – schlichtweg Glück. Angesichts der dynamischen Entwicklung im Zusammenhang mit der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI, H5N1) hat der Landkreis frühzeitig reagiert: Mit insgesamt elf Allgemeinverfügungen wurden Anschluss-Überwachungszonen infolge der Ausbrüche in Cloppenburg eingerichtet, zuletzt am 17. November. Insgesamt ist der Landkreis Ammerland mittlerweile von 19 Ausbrüchen im Landkreis Cloppenburg mit Anschluss-Überwachungszonen betroffen. Seit dem 31. Oktober 2025 gilt zudem eine unbefristete Aufstallungspflicht für Geflügelhaltungen mit mehr als 50 Tieren im gesamten Kreisgebiet; innerhalb der Überwachungszonen muss sämtliches Geflügel aufgestallt werden. Der Landkreis beobachtet die Lage engmaschig, steht im Austausch mit den Betrieben und ist auf mögliche Entwicklungen gut vorbereitet.
Weiter geht es mit erfreulichen Arbeitsmarktdaten: Die Arbeitslosenquote im Landkreis Ammerland liegt im November 2025 wie schon im Vormonat bei 3,9 Prozent – damit unter dem Vorjahreswert (4,1 %) und deutlich unter dem Landesdurchschnitt in Niedersachsen (5,9 %) sowie dem Bundeswert (6,1 %). 2 751 Menschen waren arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Oktober ist das nahezu unverändert (-1), im Jahresvergleich jedoch ist ein Rückgang um 137 Personen zu verzeichnen. Trotz rückläufiger Nachfrage bleibt der Fachkräftebedarf hoch. Mit 1 240 offenen Stellen zeigt sich der Stellenmarkt weiterhin stabil – und das Ammerland behauptet sich im bundesweiten Vergleich einmal mehr solide.
Um diesen positiven Trend zu unterstützen, setzt das Jobcenter verstärkt auf moderne und bürgernahe Dienstleistungen: Ab sofort können Leistungsberechtigte ihren Antrag auf Bürgergeld vollständig online stellen. Sowohl Erst- als auch Weiterbewilligungsanträge stehen jederzeit digital zur Verfügung. Damit werden Wege kürzer, Verfahren schneller und der Zugang zum Bürgergeld deutlich erleichtert.
Im Bereich Pflege stehen die Zeichen ebenfalls auf Weiterentwicklung: Unter dem Motto „Pflege stärken, Ausbildung sichern“ hat die Gesundheitsregion Ammerland eine neue Projektoffensive gestartet. Fünf Initiativen setzen auf Nachwuchsgewinnung, Aufwertung des Berufsbildes und stabile Ausbildung. Herzstück ist die Kampagne „WIR pflegen das Ammerland“ mit neuen Imageclips, die den Pflegealltag authentisch zeigen und Vorurteile abbauen. Ergänzend geben Projekte der Kreisvolkshochschule wie „ZukunftsPflege“, „care@ammerland“ und „AubiPLUSAmmerland“ praxisnahe Impulse für Ausbildung und Integration. Ziel bleibt, mehr Menschen für Pflegeberufe zu gewinnen – und sie dauerhaft in der Region zu halten.
Auch in diesem Jahr hat der Landkreis mit der Brötchentütenaktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ ein sichtbares Zeichen gegen häusliche Gewalt gesetzt. Insgesamt 45 Bäckereifilialen beteiligten sich an der vom Kreispräventionsrat koordinierten Initiative. Die Tüten informieren mehrsprachig über regionale Schutz- und Beratungsangebote und verlinken per QR-Code auf die Informationsseiten mit den Notfallkontkaten. Ziel bleibt, Betroffene zu ermutigen, sich Hilfe zu holen.
Themenwechsel: Mit der neuen Dezernatsspitze werden Zuständigkeiten und räumliche Strukturen im Kreishaus neu geordnet. Büros der Behördenleitung und des Amtes 10 wurden bereits zusammengelegt. Zudem liefen zahlreiche Sanierungsarbeiten: Im dritten Abschnitt der Holzfenstersanierung wurden 260 m² Verglasung erneuert und 206 Fensterflügel gewartet. Die alte Dieseltankanlage wurde durch doppelwandige Tanks ersetzt, Fassadenelemente instandgesetzt und die Beleuchtung in Lichthöfen und Fluren auf LED-Technik umgerüstet. Auch die Erste-Hilfe-Infrastruktur wurde erweitert, einschließlich neuer Einrichtungen im Sitzungsbereich und eines zusätzlichen Erste-Hilfe-/Stillraums.
Auch an der BBS Ammerland wurde umfangreich modernisiert: Das Flachdach von Trakt 6 erhielt eine neue Dämmung, Abdichtung und ein Gründach. In der Malerhalle entstanden sechs neue Tapezierkabinen, die Toiletten in Trakt 7 und 8 wurden vollständig saniert. Trakt 9 wurde für den geplanten zweigeschossigen Neubau abgebrochen; die Lagerhalle wurde versetzt neu aufgebaut. Zudem wurden zwei PC-Räume elektrotechnisch erneuert.
In der Technischen Zentrale Elmendorf wurden das Dach sowie Speisesaal und Küche umfassend saniert.
Beim Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur gab es gleichfalls wichtige Fortschritte. Der rund 3,5 Kilometer lange Radweg entlang der Kreisstraße 114 von Ihausen nach Hollriede wurde für rund 3,5 Millionen Euro vollständig erneuert und im Oktober gemeinsam mit den Ortsbürgervereinen eröffnet. Zudem wurde an der Kreisstraße 139 die Fahrbahn zwischen Friedrichsfehn und Petersfehn auf rund 1,8 Kilometern saniert. Begleitet wird der infrastrukturelle Ausbau von einer breit angelegten Radverkehrssicherheitskampagne mit Bannern, Promowalls und Fahrradinstallationen.
Wir bleiben beim Thema Verkehrssicherheit: Im Jahr 2025 wurden zwölf „Fit im Auto“-Trainings mit insgesamt 98 Teilnehmenden ab 65 Jahren angeboten. Hinzu kamen elf PKW-Fahrsicherheits- und acht Motorradtrainings mit zusammen 199 Teilnehmenden. Im Rahmen der jährlichen Präventionskampagne erhielten außerdem wieder alle Ammerländer Erstklässlerinnen und Erstklässler Warnwesten für den sicheren Schulweg.
Ein positiver Trend zeigt sich ebenfalls bei den Zahlen der Zulassungsstelle: Bis zum 30. November 2025 wurden 26.499 Fahrzeuge zugelassen – 938 mehr als im Vorjahreszeitraum mit 25.561 Zulassungen.
Gestiegen sind auch die Zahlen im Amt für Bauwesen und Kreisentwicklung: Dort wurden im Vergleich zum Vorjahr 144 Vorgänge mehr bearbeitet; besonders deutlich fällt der Zuwachs bei Bauanträgen (+71) und Bauvoranfragen (+45) aus. Diese Dynamik spiegelt sich unmittelbar im Haushalt wider: Der An-satz von 1,65 Mio. Euro ist bereits Ende November mit über zwei Mio. Euro überschritten. Durch genehmigte Windparks kamen zudem zusätzliche Ein-nahmen von knapp 1,4 Mio. Euro hinzu – ein Plus von 180 Prozent.
Imposante Zahlen kommen darüber hinaus aus dem Abfallwirtschaftsbetrieb: Dieser hat sich an den bundesweiten Aktionswochen „Jeder Stecker zählt!“ beteiligt. Im Fokus stand die Sensibilisierung von Kindern in Kitas und Grundschulen für den richtigen Umgang mit Elektroschrott. Über 20 Prozent der Einrichtungen machten mit und sammelten insgesamt 1 726 Kilogramm E-Schrott und 122 Kilogramm Altbatterien. Die Rückmeldungen waren sehr positiv; eine Wiederholung in zwei Jahren wird geprüft.
Und noch eine Mitteilung aus dem Bereich Katastrophenschutz: Landkreis, DRK und Johanniter haben Ende September 2025 eine Vereinbarung zur Stärkung der Strukturen und Abläufe geschlossen. Für sieben Jahre stehen rund 3,8 Mio. Euro zur Verfügung, um Ausbildung, Ausstattung und Einsatzbereitschaft zu verbessern. Das Pilotprojekt ist ein wichtiger Schritt hin zu einem zukunftsfesten Katastrophenschutz im Ammerland.
Wie immer möchte ich Sie zum Abschluss des Verwaltungsberichts über Beschlüsse aus dem Kreisausschuss informieren:
Im Bereich der Natur- und Landschaftspflege stellt das Amt für Umwelt und Klimaschutz 30.000 Euro an Zuschüssen für aktive Vereine und Institutionen bereit. Erstmals wurden zudem 120.000 Euro für private Maßnahmen im Wassermanagement – etwa Zisternen oder Dachbegrünungen – aufgelegt. Die Mittel stehen auch über 2026 hinaus zur Verfügung. Bislang wurden 16 Anträge mit insgesamt rund 11.500 Euro bewilligt.
Trotz der angespannten Haushaltslage wurden im Sozialausschuss diverse Zuschüsse bewilligt. Dazu gehören unter anderem 5.000 Euro für Pro Familia Oldenburg und 20.000 Euro für Wildwasser Oldenburg; eine Erhöhung wurde jedoch aus Konsolidierungsgründen abgelehnt. Wie in den Vorjahren erhält die AIDS-Hilfe Oldenburg e. V. 4.277 Euro, die Hebammenzentrale Ammerland wird 2026 mit 16.010 Euro weiter gefördert.
Das Ammerland-Hospiz in Westerstede blickt in diesem Jahr auf sein 15-jähriges Bestehen zurück. Seit 2010 begleitet das Haus Menschen in ihrer letzten Lebensphase mit Würde, Nähe und großer Herzlichkeit - getragen von haupt- und ehrenamtlichem Engagement. Der Landkreis dankt allen, die diesen Ort des Trostes und der Zuwendung möglich machen – seit 15 Jahren und jeden Tag aufs Neue.
Unsere Kreisvolkshochschule konnte in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen als kommunale Einrichtung feiern – unter anderem mit einem Festakt im Februar und weiteren, teils prominent besetzten Veranstaltungen. Auch zur jüngsten Mitgliederversammlung des vhs-Landesverbandes in Westerstede reiste Ministerpräsident Olaf Lies an. Die kvhs ist damit auch in diesem Jubiläumsjahr ihrem Motto „Mut machen, möglich machen!“ voll gerecht geworden.
Als Festredner des Neujahrsempfangs 2026 konnte Prof. Dr. Axel Hahn, Institutsdirektor im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Oldenburg, gewonnen werden. Er spricht über „Mobilität im ländlichen Raum 2035“ – ein Thema, das wissenschaftliche Innovationen mit ganz konkreten Fragen unseres Alltags verbindet. Prof. Hahn zählt bundesweit zu den prägenden Köpfen für intelligente Verkehrssysteme – und damit zu denen, die wissen, wie sich Mobilität auch im Ammerland nachhaltig, verlässlich und alltagstauglich weiterentwickeln lässt.
Im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen danke ich herzlich für die wertvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten und uns allen ein ruhigeres und vor allem friedliches Jahr 2026.