Sprungziele
Zum Aktivieren des Google-Übersetzers bitte klicken. Wir möchten darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an Google übermittelt werden.
Mehr Informationen zum Datenschutz
Seiteninhalt
27.08.2024

Veterinärbereich des Landkreises Ammerland zieht sich aus Landesgremien zurück

Niedersächsische Landkreise fordern Kostenerstattung angesichts 41 Millionen Euro Defizit

Gelbe Karte für die Landesregierung: Die kommunalen Veterinärbehörden der Landkreise, darunter die des Landkreises Ammerland, die für die Überwachung des Tierschutzes, die Lebensmittelsicherheit und Tierseuchenbekämpfung in der Fläche in Niedersachsen zuständig sind, setzen die Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium in zahlreichen Gremien weitgehend aus. Das hat das Präsidium des Niedersächsischen Landkreistages (NLT) und die gemeinsame Konferenz der Landrätinnen und Landräte auf einer Klausurtagung am 22. August 2024 beschlossen.

Grund für den Boykott der weiteren Zusammenarbeit ist die langanhaltende Weigerung der Landesregierung, die Kommunen für die Aufgaben­wahrnehmung im Veterinärbereich finanziell fair auszustatten. Die permanente Überlastung der Veterinärbehörden und ein Defizit von 41 Millionen Euro pro Jahr hatten die Landkreise zu diesem Schritt gezwungen.

Landrätin Karin Harms unterstützt das Vorgehen der Kolleginnen und Kollegen und ergänzt: „Für eine ordnungsgemäße Aufgabenerfüllung ist eine angemessene Finanzierung notwendig. Nur dem engagierten Einsatz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass wir den Großteil unserer Aufgaben bisher weiter wahrnehmen konnten. Durch die ständige Aufgabenmehrung ist die Grenze aber längst überschritten.“

Ab 1. September 2024 ziehen nun alle Landkreise geschlossen ihre Beschäftigten aus den zahlreichen Arbeitsgruppen des Landes zurück. Ausgenommen sind die Mitwirkung in gesetzlichen Ausbildungs- und Prüfungsausschüssen und zwingend erforderliche Besprechungen im Tierseuchenkrisenfall sowie bei lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen großen Ausmaßes in Niedersachsen.

„Wir bringen allein in 46 Landesgremien unsere fachliche Expertise und Erfahrungen aus der Praxis ein. Hinzu kommt eine große Zahl an Dienstbesprechungen, in denen das Ministerium von unserem Sachverstand profitiert, aber nicht für eine faire Kostenerstattung sorgt. Wir konzentrieren uns daher bis auf Weiteres auf die Erfüllung unserer Aufgaben vor Ort“, erläutert NLT-Präsident und Frieslands Landrat Sven Ambrosy den Rückzug aus den Landesgremien. „Um die permanente Überlastung der Veterinärbehörden einzudämmen und der fortgesetzten Missachtung unserer finanziellen Ansprüche zu begegnen, sind wir zu diesem Schritt gezwungen. Jetzt ist Schluss.“

NLT-Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer ergänzt: „Seit mehr als zwölf Jahren streiten wir für eine bessere Finanzausstattung der kommunalen Veterinärbehörden. Das jährliche Defizit ist in den letzten Jahren rasant angestiegen und mit dem Land der Höhe nach unstrittig. „Die 41 Millionen Euro pro Jahr fehlen für wichtige Selbstverwaltungsaufgaben vor Ort. In einem letzten Versuch haben wir vor der Haushaltsklausur des Kabinetts eine Lösung gefordert, erneut vergeblich. Zwölf Jahre Vertrösten ohne irgendeine Entlastung sind ein grobes Foul. Deshalb zeigen wir der Landesregierung die Gelbe Karte.“

Der NLT erwartet nun in den Haushaltsberatungen ein Signal des Landes für eine deutlich bessere Finanzausstattung der kommunalen Veterinär­behörden. Meyer: „Von diesem ersten Schritt einer Beschränkung auf Kernaufgaben werden unsere Kunden, die Bürgerinnen und Bürger und die Landwirtschaft, nur indirekt etwas merken. Aber: Wir werden den heutigen serviceorientierten Standard bei der Abwehr von Gefahren für die Lebens­mittelkontrolle, den Tierschutz und der Tiergesundheit nicht halten können, wenn die Landesregierung nicht bereit ist, für engagierte und wichtige Arbeit zum Wohle von Mensch und Tier auch fair die Kosten zu erstatten.“