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18.06.2026

Verwaltungsbericht der Landrätin für den Kreistag am 18. Juni 2026

Es gibt Nachrichten, die machen kommunalpolitisch einfach Freude. Eine solche Nachricht erreichte uns in den vergangenen Tagen: Aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes – einem Baustein des größten Investitionsprogramms in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – sollen dem Landkreis Ammerland und seinen sechs Kommunen künftig insgesamt rund 68,4 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Auf den Landkreis entfallen davon rund 33,4 Millionen Euro. Diese Mittel fließen vorbehaltlich der Zustimmung der Politik in die Finanzierung des geplanten Neubaus der Förderschule und ersetzen einen erheblichen Teil der bislang vorgesehenen Kreditfinanzierung.

Auch wenn diese zusätzlichen Mittel Perspektiven eröffnen, ändern sie nichts daran, dass die finanzielle Lage vieler Kommunen weiterhin angespannt ist. Ende Mai haben die kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens deshalb mit einem Aktionstag in Hannover auf die schwierige Situation aufmerksam gemacht. Mehr als 400 kommunale Vertreterinnen und Vertreter – auch aus dem Ammerland – setzten mit der Übergabe der Resolution „Rettet die Kommunen!“ ein deutliches Zeichen. Die zentrale Botschaft: Die Finanzprobleme von Städten, Gemeinden und Landkreisen sind nicht vorübergehend, sondern strukturell bedingt. Steigende Ausgaben und neue Aufgaben schränken die kommunalen Handlungsspielräume zunehmend ein. Investitionsprogramme helfen, ersetzen jedoch keine dauerhaft tragfähige Finanzierung der kommunalen Ebene.

Nach den kommunalen Finanzen ein Blick auf den Arbeitsmarkt. Hier gibt es erfreuliche Signale: Die Arbeitslosigkeit ist im Mai 2026 zurückgegangen. 2 792 Menschen waren arbeitslos gemeldet – 145 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,9 Prozent. Gegenüber dem Mai des Vorjahres entspricht das zwar einem leichten Anstieg um 87 Personen, dennoch zeigt sich der Arbeitsmarkt weiterhin robust. Die schwache Konjunktur, steigende Kosten und eine zurückhaltendere Einstellungsbereitschaft der Unternehmen hinterlassen zwar Spuren, gleichzeitig waren im Mai 1 447 offene Stellen gemeldet – 217 mehr als vor einem Jahr. Positiv entwickelt sich auch die Beschäftigung: Im September 2025 waren 50 042 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1 328 mehr als im September 2024.

Positive Entwicklungen zeigen sich auch im Tourismus, der für das Ammerland ein wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor ist. Im aktuellen TourismusMonitor Niedersachsen belegt die Region mit einem Performance Score von 88,5 Punkten Rang zwei unter 45 Stadt- und Landkreisen und liegt damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 84,5 Punkten. Auch in den Kategorien Service, touristische Infrastruktur und Zimmerbewertung zählt das Ammerland bundesweit zu den Top Ten. Das Ergebnis unterstreicht die hohe Qualität der touristischen Angebote und die Gastfreundschaft in der Region.

Neben wirtschaftlichen Entwicklungen und Standortthemen spielen auch Prävention und Aufklärung eine wichtige Rolle. Ein Beispiel dafür ist die Veranstaltungsreihe „Digitale Gewalt“, die Ende April gestartet ist. Zum Auftakt informierten die Gleichstellungsbeauftragte, der Seniorenstützpunkt und die Polizei über digitale Betrugsmaschen wie Schockanrufe und KI-gestützte Enkeltricks oder Betrugsversuche. Weitere Veranstaltungen zu Cybermobbing, digitaler Zivilcourage und Cyberstalking sind geplant.

Mit der Integreat App setzt der Landkreis zugleich auf die Chancen digitaler Angebote. Die mehrsprachige Plattform wurde jetzt aktualisiert und erweitert. Sie bündelt wichtige Informationen zu Alltag, Integration, Behörden und Freizeitangeboten und steht kostenlos in elf Sprachen zur Verfügung. Die hohen Zugriffszahlen zeigen die gute Akzeptanz des Angebots.

Auch die Integrations- und Teilhabeangebote wurden weiter gestärkt. Im Mai fand erstmals eine Vernetzungsveranstaltung für ehrenamtliche Sprachmittlerinnen, Sprachmittler und Integrationshilfen statt. Ziel war es, den Austausch zu fördern und Unterstützungsangebote besser zu vernetzen.

Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld ist die Unterstützung älterer Menschen und ihrer Angehörigen. Der Seniorenstützpunkt und das Demenznetz Ammerland & Umgebung boten hierzu einen interaktiven Demenzparcours an. Durch praxisnahe Übungen erhielten Interessierte Einblicke in die Lebenswelt von Menschen mit Demenz und konnten Verständnis für die Situation Betroffener entwickeln.

Eine wichtige Anlaufstelle in diesem Bereich bleibt das Pflege-Servicebüro. Dort hat Rita Eilers die Nachfolge von Ina Hensiek angetreten, die nach fast 15 Jahren in den Ruhestand gegangen ist. Das Angebot berät weiterhin zu Fragen rund um Pflege und Unterstützung.

Um Pflege ganz anderer Art ging es beim Pflegeelterncafé des Landkreises. Das Angebot wurde gut angenommen. Familien aus dem gesamten Ammerland kamen zum Austausch zusammen, während für die Kinder ein eigenes Betreuungs- und Kreativangebot bereitstand.

Auch in die Verkehrsinfrastruktur wurde weiter investiert. An der Kreisstraße 138 „Mittellinie“ zwischen Bloh und Petersfehn wurden im Mai die Fahrbahn und der Radweg auf rund 1 300 beziehungsweise 1 400 Metern erneuert. Damit konnte die Verkehrssicherheit auf diesem Abschnitt verbessert werden. Die erforderlichen Haushaltsmittel hatte der Kreistag bereits im Oktober 2024 bereitgestellt. Mit der Inbetriebnahme einer stationären Geschwindigkeitsmessanlage an der B 401 in Jeddeloh II setzt der Landkreis einen weiteren Baustein zur Verbesserung der Verkehrssicherheit um. Die Anlage überwacht erstmals dauerhaft einen besonders belasteten Kreuzungsbereich im Ammerland.

Neben den Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur wurden auch mehrere Hochbauprojekte des Landkreises vorangebracht. Besonders sichtbar ist der Fortschritt beim Neubau der Ammerland-Klinik als zentralem Projekt im Gesundheitsquartier Ammerland. Die Erdarbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Mit den Arbeiten für die künftige Energieversorgung und der Vergabe der Bauhauptarbeiten – trotz einer Verzögerung von rund zwei Monaten – wurden wichtige Meilensteine erreicht. Nun stehen die weiteren Ausschreibungs- und Vergabeverfahren an.

Beim Neubau des Trakts 9 der BBS Ammerland wurde nach Erteilung der Baugenehmigung mit den Erd- und Gründungsarbeiten begonnen. Die Baustelleneinrichtung mit Baukränen sowie Versorgungsanschlüssen ist abgeschlossen. Der zweigeschossige Rohbau soll bis Ende Oktober 2026 hergestellt werden. Die Fertigstellung des Vorhabens ist für den Sommer 2027 vorgesehen.

An der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Elmendorf laufen mehrere Bauabschnitte parallel. Für den Neubau der Fahrzeughalle wurden die Erdarbeiten abgeschlossen und mit den Gründungsarbeiten begonnen. Die Hallenkonstruktion aus Stahl wird derzeit vorgefertigt und soll noch in diesem Jahr errichtet werden. Parallel dazu wird ein Parkplatz mit 60 Stellplätzen vorbereitet. Darüber hinaus laufen die Planungen für eine weitere Halle zur Reparatur von Feuerwehrfahrzeugen, deren Fertigstellung für 2027 vorgesehen ist.

Ein wichtiges Zukunftsthema stand im Mittelpunkt einer gut besuchten Veranstaltung des Landkreises: Gemeinsam mit 30 Vertreterinnen und Vertretern aus Wohnungswirtschaft, Bau, Planung und Wirtschaft wurde über Lösungen für mehr bezahlbaren und bedarfsgerechten Wohnraum im Ammerland diskutiert. Deutlich wurde: Wohnraumschaffung gelingt nur im Schulterschluss aller Beteiligten. Der intensive Austausch zeigte, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit groß ist.

Ein weiteres Zukunftsthema, das viele Menschen im Ammerland bewegt, ist der Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Anfang Juni war der bekannte Diplom-Meteorologe und Wissenschaftsjournalist Karsten Schwanke zu Gast beim zweiten Klima-Schnack des Landkreises Ammerland im Park der Gärten. Rund 350 Bürgerinnen und Bürger verfolgten den Vortrag „Extremwetter – Auswirkungen des Klimawandels auf das Ammerland“. Im Anschluss nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit zum Austausch und stellten Fragen an den Wetterexperten. Die große Resonanz zeigte das hohe Interesse an Klimaschutz und Klimafolgenanpassung im Ammerland.

Wie Klimaschutz ganz praktisch vor der eigenen Haustür beginnen kann, zeigt ein weiteres Projekt des Landkreises: Gemeinsam mit dem Park der Gärten und dem Umweltbildungszentrum hat der Landkreis Ammerland den Wettbewerb „Lebendige Vorgärten im Ammerland“ gestartet. Ziel ist es, für naturnahe und insektenfreundliche Vorgärten zu sensibilisieren und so die biologische Vielfalt zu fördern. Aus jeder der sechs Gemeinden wird ein Vorgarten ausgewählt und im Wert von jeweils 2.500 Euro naturnah umgestaltet. Die Bewerbungsphase läuft bis zum 6. Juli 2026.

Dass nachhaltiges Handeln im Ammerland auf große Resonanz stößt, zeigte sich auch beim STADTRADELN 2026: Mit 3 398 Teilnehmenden, 185 Teams und 593 717 geradelten Kilometern wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Rastede sicherte sich erneut das „Gelbe Trikot“ vor Westerstede und Apen. Bezogen auf die Einwohnerzahl erzielte Apen mit 9,24 Kilometern pro Einwohner das beste Ergebnis. Insgesamt konnten rund 97 Tonnen CO₂ eingespart werden – sechs Tonnen mehr als im Vorjahr.

Zum Abschluss des Verwaltungsberichts ein wichtiger Beschluss aus dem Kreisausschuss: Der Landkreis hat als Schulträger die Nutzungsvereinbarung für den Standort der Förderschule Rastede (ES) mit der Gemeinde Rastede unterzeichnet. Der Schulbetrieb der neuen Förderschule ist bereits erfolgreich angelaufen.

Wie jedes Jahr um diese Zeit noch einige Zahlen zur Sicherheitslage im Landkreis: Das Ammerland ist laut aktueller Polizeilicher Kriminalstatistik zum siebten Mal in Folge der sicherste Landkreis Niedersachsens. Mit 4216 registrierten Straftaten und einem Rückgang um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt die Kriminalitätsbelastung weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Gleichzeitig steigen allerdings die Fallzahlen häuslicher Gewalt. Umso wichtiger ist es, die bestehenden Präventions- und Unterstützungsangebote konsequent weiterzuführen und auszubauen.

Bevor ich schließe, noch zwei Tipps für die kommenden Wochen: Bei den „Tagen des offenen Gartens“ öffnen am 28. Juni, 26. Juli und 23. August zahlreiche private Gärten ihre Pforten für Besucherinnen und Besucher. Wer es lieber künstlerisch mag, kann noch bis zum 9. Juli die Wanderausstellung des Kunstpreises „Das Goldene Segel“ im Kreishaus besuchen. Ob Gartenkunst oder Kunst im Kreishaus – ein Besuch lohnt sich. Genießen Sie den Sommer im Ammerland – dafür bieten die kommenden Wochen hoffentlich viele Gelegenheiten!

Autor/in: Anja Küllig, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, E-Mail oeffentlichkeitsarbeit@ammerland.de